Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems, befindet
sich seit August im Erdzeichen Jungfrau. Durch die Sinnesfunktionen von Jupiter können wir
die Welt wahrnehmen und bewerten. Als Herrscher des feurigen Schütze-Zeichens
steht Jupiter in unserem Horoskop für die Suche nach dem Sinn des Lebens, für Mitmenschlichkeit
und das Erkennen von ganzheitlichen Zusammenhängen.


Wir werden aber auch erfahren, welchem Irrglauben wir selbst verfallen
sind, wo wir zu idealistisch oder nihilistisch eingestimmt sind und nun
desillusioniert werden. Lügen, Betrug und Täuschungen sind ebenso an der
Tagesordnung wie Versprechungen und „göttliche“ Eingebungen. Wie wir diese Zeit
erfahren, hängt also nur von unserem Standpunkt ab.
Wer die Wachstumsenergie von Jupiter in der Jungfrau missversteht und
missbraucht, indem er mit den Kräften von Mutter Erde Raubbau treibt, indem er
andere Menschen oder Länder ausbeutet und nur in die eigene Tasche wirtschaftet,
dem wird Neptun in den Fischen alles nehmen, was er für sein Eigen hält. Es geht darum, mit
unseren körperlichen, seelischen und geistigen Energien so verantwortlich
umzugehen, dass sie dem Ganzen zugute kommen – dem Team, der Gruppe, dem Volk
und letztendlich der ganzen Menschheit und dem Planeten.
Wasser- und Flüchtlingsströme
Neptun herrscht über das Meer, während Jupiter über die Erde
und den Himmel herrscht. In der Mythologie gibt es Ähnlichkeiten zwischen dem
Himmelsgott Jupiter und dem Gott der Meere (Neptun). Beide können Blitze
schleudern, Erdbeben verursachen und sorgen für reiche Vermehrung, indem sie
die Zeugungskraft anregen. Man denke nur an die Fischschwärme und den
Samenerguss.
Erde und Wasserenergie (Jungfrau und Fische)
ergänzen, vermischen und befruchten sich. Rationale, nüchterne Gedanken- und
Unterscheidungskraft (Jungfrau) kanalisiert den chaotischen Gefühlsstrom der
Fische, und die Wasserströme (Fische) befruchten die harte, trockene Erde und
Rationalität (Jungfrau). Allumfassende Liebe und grenzenloses Mitgefühl, die
Wasserqualitäten des Zeichens Fische, sind für die vertrocknete Erde bzw. das
analytische Denken der Jungfrau wie ein Jungbrunnen oder ein frischer,
heilsamer Fluss.
Wir haben die Bilder täglich vor Augen, wie Wasser- und Gefühlsströme und
nun auch Flüchtlingsströme den Planeten überziehen. Und auch die Bilder
erscheinen nicht mehr vereinzelt, sondern gleich als Bilderflut in den Medien.
Hinzu kommt der Gedanken-, Rede- und Meinungstrom aus dem Internt. Die Vereinzelung und das zweckorientierte Nützlichkeitsdenken, die im Zeichen
Jungfrau am weitesten fortgeschritten sind, erfahren nun durch den Einfluss von
Jupiter und Neptun den Impuls zur Synthese. Statt analytisch-wissenschaftlicher
Beobachtung von Einzelheiten wird man nun tiefer und zugleich höher schauen müssen,
um die ganzheitlichen Zusammenhänge erkennen zu können.
Unzufriedenheit mit dem Istzustand
Die Sonnenfinsternis in der Jungfrau und die
Jupiter-Neptun-Opposition auf der Jungfrau-Fische- Achse sind ein Zeichen dafür,
dass wir durch eine existenzielle Krise gehen, sowohl der Einzelne als auch die
Menschheit, der einzelne Staat und die Staatenbündnisse, besonders Europa und
Amerika. Dazu gehört auch die Krise der Sinnfindung (Saturn im Schützen). Wir
mögen mit einer inneren Leere und Sinnlosigkeit konfrontiert werden, der wir zu
entfliehen suchen - z.B. durch
Überbeschäftigung und Ablenkung, durch Bespaßung oder durch
Wegschauen und Vogel-Strauß-Politik.
Es geht uns etwas an, wenn in China ein Sack Reis umfällt,
wenn die Meere verseucht werden, Menschen Krieg führen mit unseren Waffen und
unseren Geldern, wenn Länder und Menschen ausgebeutet werden, weil wir bequem
im Luxus leben wollen. Wir, die wir glauben, den Wohlstand verdient zu haben, weil wir so "fleißig und hart gearbeitet" haben, werden nun Opfer bringen und den Gürtel enger schnallen
müssen. Jeder Einzelne ist für den Istzustand seines eigenen kleinen Lebens und des größeren Lebens auf
diesem Planeten mitverantwortlich. Und jeder kann etwas ändern, z.B. seine
Lebens- und Denkweise, oder sein Konsumverhalten mal genauer durchleuchten.
Die zwei Seiten
gehören zu einer Münze
Die Jungfrau-Fische-Energie lehrt uns, dass alles seine Zeit
hat, seinen Anfang und sein Ende – auch der Wohlstand. Sie lehrt uns, dass wir
säen müssen, wenn wir ernten wollen und dass die vielen persönlichen
Alltagsdinge, mit denen wir beschäftigt sind, niemandem nützen, wenn sie nicht
in einer Beziehung zum größeren Ganzen stehen.
Wir sind in unseren Vorstellungen von Gut und Böse gefangen,
möchten nur gut sein und alles Böse in uns beseitigen oder von uns wegschieben.
Am bequemsten erscheint es, das Fremde, das Unbequeme und Böse anderen in die
Schuhe zu schieben. Doch Frieden ist nur möglich, weil es auch Krieg gibt.
Erfolg und Gewinn des einen sind nur möglich, weil ein anderer dafür verliert
und versagt. Der Wohlstand auf der einen Seite der Welt basiert auf Armut und
Mangel auf der anderen Seite.
Ganz egal, auf welcher Seite wir stehen und wofür wir Partei
ergreifen – wir fordern damit die Opposition heraus. Sobald wir Partei
ergreifen (für etwas und damit gleichzeitig gegen etwas sind), schließen wir
die andere Hälfte der Wirklichkeit aus. Und dann kann es geschehen, dass diese
Energien der ausgeschlossenen, ins Exil geschickten Minderheit zurückschlägt,
um ihre Rechte kämpft oder sich auf andere Art wieder in unser Leben schleicht. So entsteht auf jeder Seite der Irrglaube, ohne die andere Seite viel besser leben zu können.

Im Staatenbündnis zeugen die Schulden eines Landes von der
Schuld und dem Versäumnis der anderen Länder. Jeder, der mit dem Finger auf
einen anderen zeigt, hat selbst Dreck am Stecken und will von sich ablenken. Auch
wenn wir als Einzelner das Böse und Schlechte in uns verbergen und die Augen
davor schließen, ist es doch da. Es ist ein Teil von uns, Teil unserer Realität.
Wenn wir Entscheidungen zu treffen haben, sollten wir unser
Herz fragen und in unserer eigenen Mitte zentriert bleiben. Die Erfahrungen
unter dem Einfluss von Jupiter und Neptun wollen uns innerlich reifen und
wachsen lassen und uns die Weisheit des großen Zusammenhangs und der
Allverbundenheit lehren.
Was können wir
angesichts der Verwirrung, der Glaubens- und Sinnkrise tun?
Wir können untersuchen oder erkennen, wo wir stehen und welchen Teil der
Realität oder des Ganzen wir aufgrund unserer Stellung wahrnehmen.
Wir können uns einstimmen auf die Menschen der andere Seite, auch ihre
Stellung, Sichtweise und Nöte verstehen, Mitgefühl für sie empfinden, ihnen das
geben, was ihnen fehlt und wovon wir genug haben.
Wir können uns öffnen für die andere Seite, unsere Grenze
öffnen, das Verbindende sehen statt des Trennenden, das andere einladen,
akzeptieren und integrieren und die Anforderungen der Realität nun gemeinsam meistern.
Dann können wir zurücktreten und das Ganze sehen, die ganze
Welt, die Menschheit, den Planeten und seinen Zustand.
Und wir können unsere Sicht von außen nach innen wenden und
dort unsere eigene verborgene oder verdrängte Hälfte der Wirklichkeit entdecken
– vielleicht die seelische oder geistige Welt. Wir können die versprengten,
zerteilten und teilweise auseinander strebenden Energien wieder zusammenfügen
und auf diese Weise erste Schritte zu unserer Heilung (Integration) tun.
Wir können uns um
Antworten bemühen auf die Fragen:
- Mit welchen irdischen Umständen sind wir unzufrieden?
- Welchen Sinn und welche Bedeutung geben wir unserem Leben?
Woran glauben wir? Wer sollte unserer Meinung nach diese Situation (für uns)
verändern?
- Worunter leiden wir? Woran sind wir erkrankt?
- Wie versuchen wir dieser leidvollen Realität zu entfliehen?
- Womit kompensieren wir unseren Frust, die innere Leere oder
unser Schuldgefühl? Stürzen wir uns in die Arbeit oder ins Vergnügen, lenke wir
uns ab mit Äußerlichkeiten oder sammeln wir Informationen und ordnen sie in
Schubkästchen?
- Überlassen wir uns der großen Kicksuche durch Drogen,
Rauschmittel und Abenteuer am laufenden Meter? Oder driften wir ab in eine
Vorstellung vom Jenseits und vom Paradies, wo alle eins sind, alle gleich sind
und es Friede-Freude-Eierkuchen zum Frühstück, zu Mittag und zum Abendessen
gibt?
Was lösen Worte wie »Grenzenlosigkeit…
grenzenlose Entfaltung… Allverbundenheit … Mystik und Spiritualität… Verlust
des Glaubens, der Heimat, des Besitzes… Haltlosigkeit… Heimatlosigkeit… Entwurzelung…
Verlassenheit… Verfolgung… Flucht… Suche… Sucht und Sehnsucht« in uns aus?
Nur Werte wie Allverbundenheit in Freiheit, Barmherzigkeit, Mitgefühl und
Nächstenliebe entscheiden über den Reifegrad und die evolutionären Entwicklungsschritte
eines Menschen – weder sein Bankkonto noch sein Glaube noch seine
gesellschaftliche Machtstellung. Auch Länder, Staatenbündnisse und Volksgruppen
dürfen Farbe bekennen und zeigen, inwieweit sie dem Idealbild des Wassermanns
und damit dem Bild des Neuen Menschen entsprechen.
In Verbundenheit
Sundra
Bildnachweis: Jungfrau- und Fische-Poster von Johfra
alle anderen Bilder: (C) Sundra Kanigowski