EX - PAN - VISION

DIE KUNST ALLES SEIN ZU LASSEN
SABISCHE SYMBOLE
SYMBOLSPRACHE
ASTRO-ORAKEL
ASTRO-SCHAU
EX-PAN-SION
TRÄUME
VISION
MUSIK
TAO
OM

kunst(ett)sundra.eu

Posts mit dem Label Tarot werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tarot werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Isis und ihre Symbolik in den Tarotkarten



Entsprechung von Sterben und Einweihung

 „Ich bin Isis, alles, was gewesen ist,
und alles, was ist und sein wird;
meinen Schleier hat keiner der Sterblichen je gehoben …“

Plutarch, Schriftsteller und Philosoph der Antike,  schreibt:

"Im Sterben widerfährt der Seele dasselbe wie denen, welche in die großen Weihen eingeführt werden, weshalb auch das Wort von der Tatsache des Sterbens (teleustan) dem Wort des Eingeweihtwerdens (teleistai) entspricht."

Das heißt, der Tod ist ein essenzieller Moment und die Werte und Erfahrungen von “Tod“ und „Initiation“ (Einweihung) sind austauschbar. Initiation ist im Normalfall vom Individuum  frei wählbar. Doch der Tod ist das unvermeidbare Ende eines individuellen Zyklus. Im Extremfall ist der Tod sogar das Medium, das dem Einzelnen die Erfahrung des Übergangs in andere Dimensionen ermöglicht.

Der NEUMOND vom 11.11. hat auf sehr intensive Weise die unbewussten Wünsche des Menschen in dieser Zeit enthüllt. Als dunkler Mond offenbart er mit aller Macht das noch ungeborene und archetypische Potenzial des Neuen Menschen, was im Mythos und auch in dem auseinander gefächerten Lebensspiel des Tarot als Geburt des (Isis-)Sohnes Horus bezeichnet wird.

Was kann es bedeuten, wenn der Name der uralten ägyptischen Muttergöttin (Isis) plötzlich im 21. Jahrhundert wieder auftaucht – als Name einer islamischen Terrorormiliz, die im Namen Gottes Menschen tötet? Alle organisierten Religionen und alle nationalen Staatenbündnisse halten die Spaltung des gemeinsamen Ursprungs aller Menschen aufrecht durch ihr Beharren auf „mein und dein“ (klick!) – meine Religion gegen deine Religion, mein Glaube gegen deinen Glauben, mein Gott und dein Gott… unser Land und euer Land, unsere Kultur und die der anderen. Das ist der Zustand dieser Welt, der Menschheit und jedes einzelnen Menschen. Jeder erforsche sich selbst, inwieweit er sich der Tatsache einer geistigen Verbundenheit und Wesensgleichheit, eines gemeinsamen Ursprungs bewusst ist und jeden Menschen als Bruder und Schwester einer gemeinsamen kosmischen Mutter anerkennt.

Von dieser Zersplitterung ist im ägyptischen Mythos von Isis und Osiris die Rede, wenn OSIRIS, der das Ganze repräsentiert (die Einheit des Geistes), vom Widersacher SETH zerstückelt wird, der seine Teile über die ganze Welt verstreut. Nur ISIS, die trauernde Witwe und ursprüngliche Muttergöttin, ist aufgrund ihrer Liebe und ihrer magischen Fähigkeiten in der Lage, die Teile wieder zusammenzufügen und auf den einen heiligen Weg zum Ursprung zurückzuführen.

Schauen wir einmal hinter den Vorhang der Isis, der das Sichtbare vom Unsichtbaren, das Äußere vom Inneren trennt. Doch wo Trennung ist, ist auch Verbindung. – Wer will nicht hinter den Vorhang schauen, wenn es denn schon einen gibt?

Der Archetyp des Weiblichen wird von uns im Zusammenhang mit der Mutter, dem Mond und der Nacht, dem Meer und der Erde gesehen. Das Weibliche gebiert das Leben und nimmt es wieder auf in seinen mütterlichen Schoß. Die Vorgänge im mütterlichen Schoß entsprechen unseren inneren Erfahrungen, unseren verborgenen Wünschen, Träumen und Ahnungen. Wir
ahnen, dass sich tief in uns in der Dunkelheit des Unbewussten ein Leben im Verborgenen abspielt. Manche wollen es ergründen, andere fürchten sich davor, ignorieren und verdrängen es. 

Das Weibliche im Tarot

Die Frau, die einen Vorhang zu einem heiligen Pfad aufzieht (Symbol 20° Skorpion), stellt über ihre Funktion (Öffnen, Enthüllen, Zusammenfügen) eine Verbindung zur ägyptischen Muttergöttin Isis in ihrer Rolle als Priesterin des inneren Tempels her. Wir kennen sie aus dem zweiundzwanzigstufigen Tarot, wo sie als Hohepriesterin (II) mit einem Buch oder einer Schriftrolle vor dem Vorhang zwischen den Säulen der Polarität sitzt. Auf dieser zweiten Bewusstseinsstufe wird der Mensch zum Suchenden nach der Heiligen Lehre und dem Heiligen Pfad.

Karte III zeigt sie als Große Mutter, Herrscherin oder Kaiserin ohne Schleier. Die zwei Welten Geist und Stoff sind in ihr vereint. Darum erscheint sie sowohl als Sternengöttin als auch als Erdgöttin. Sie hat die Macht, die beiden Welten zu trennen und zu verbinden. Es hängt von ihr und ihren Gesetzen (siehe Karte VIII Maat) ab, ob ein Geist sich in dieser Welt verkörpert oder ob ein verkörperter Geist sich wieder von der materiellen Welt ablöst und für diese Welt „stirbt“. Sie erscheint im Bild der Isis-Hathor, als Dementer und Kore, als geflügelte Jungfrau und Stella Maris. Auf der dritten Bewusstseinsstufe erforscht der Suchende die Geheimnisse der Natur und entdeckt die Einheit von Körper-Seele-Geist.

Auf der achten Bewusstseinsstufe zeigt sich der Archetyp des Weiblichen im Bild der Schicksalsgöttin (VIII) und des karmischen Ausgleichs, auch Göttin der Gerechtigkeit und ägyptische Maat mit dem Schwert in der Hand. Der Mensch ist aufgefordert, in seinem Inneren eine endgültige Ordnung zu schaffen, die aus dem Unbewussten aufsteigenden Inhalte zu ordnen und zu analysieren, das Unrechte vom Rechten zu trennen, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden sowie einen Ausgleich für seine schmerzhaften Erinnerungen zu schaffen. Er wendet sich seinen eigenen Fehlern zu und erkennt, dass es für jede Handlung eine gleiche und entsprechende Reaktion gibt (karmisches Gesetz von Ursache-Wirkung).

Nach dem Erreichen eines objektiven Bewusstseins (VIII), der stillen, doch intensiven Arbeit an sich selbst (IX) und  dem Kampf mit den Schicksalsmächten (X) erfährt der Mensch die Kraft des Weiblichen als innere geistige Stärke (XI). Er wandelt seine niedere, triebhafte Natur, die mächtige Kraft des Körpers und der beiden sexuellen Ströme durch liebevolle Annahme – nicht durch Gewalt, wie es die unerlöste männliche Kraft gewohnt ist zu tun. Sieger ist die schöne Frau, die den Löwen besiegt hat. Sie steht für die LIEBE. Die Liebe im Menschen ist nun zur größten Kraft der Welt gewachsen. Sie ist das Leben, die schöpferische Lebenskraft (Kundalini) und die Kraft des Seins. Liebe ist ab jetzt der innere Drang nach Einheit.

Ab dieser Stufe ist alles anders. Der Tod (XIII) zerstört alle Scheinwelten und Schein-Ichs, erschüttert das alte Weltbild und befreit die Seele. Der Zusammenbruch des Alten ist die notwendige Bedingung für den Durchbruch des Neuen, Ursprünglichen.

Die alchemistische, verschmelzende Kraft der Liebe beginnt zu wirken, zeigt sich im Bild eines androgynen Wesens oder Engels der Mäßigkeit (XIV), der die beiden kosmischen Hauptströme männlicher und weiblicher Energie mischt bzw. – was noch wesentlich schwieriger ist – im Zustand einer ständigen Ausgewogenheit hält. Auf dieser vierzehnten Stufe ist der Mensch in der Lage, die beiden schöpferischen Kräfte nach seinem Willen zu lenken und damit große Transformationen in sich selbst hervorzurufen. Körperkräfte können in geistige Kräfte umgewandelt und höhere Bewusstseinsstufen erreicht werden.

Im nächsten Bild der Sterne (XVII) wird Isis zur Quelle der Lebenswasser für alle Seelen. Wieder ist sie die Himmels- und Sternenkönigin, die die kosmischen Lebensströme, die universelle Liebe, auf die Erde leitet – diesmal ist sie nackt, ein reines, göttliches Urbild (Archetyp), und völlig offen. Die himmlischen Qualitäten der Seele sind voll erblüht und entfaltet. Alle unbewussten Inhalte sind bewusst und geklärt. Die Göttin verbirgt nichts. Sie ist ein Urbild der reinen und strahlenden menschlichen Seele, die mit dem Kosmos verbunden ist. Nach dem Zusammenbruch, dem Tod seiner Persönlichkeit und dem Wegnehmen aller Schleier, ist vom Menschen nichts anderes mehr übrig, als das, was er in der absoluten Wirklichkeit ist, ER SELBST – lebendiger Geist. Auf dieser Stufe besitzt er zwar noch nicht die beiden kosmischen Lebensströme, doch er kann sie beherrschen und lenken. Seine Erfahrungen des langen Weges und seine gesammelten Weisheitsschätze gibt er nun andere weiter, spendet positiv-männliche Kraft, wie Mut, Begeisterung und geistige Anstöße, und schenkt negativ-weibliche Kraft in Form von Trost, Verständnis und Liebe.

Isis als große Einweiherin an der Schwelle

Karte XVIII, der Mond zeigt den endgültigen Übergang über die Schwelle, den Zustand zwischen Tod und Geburt ins geistige Leben. Das hier im Bild Dargestellte entspricht einer Schwellenerfahrung und einem Bewusstseinswandel. Der Durchgang zwischen den hohen Zwillingstürmen (Säulen von Karte II) ist sehr eng (das „Nadelöhr“) und wird von den tierischen Hütern der Schwelle bewacht. Der Mensch ist bereit, endgültig mit seinem Leben in der äußeren Welt abzuschließen. Wünsche und Neigungen werden abgelegt und überwunden. Jegliche Art von Anhaftung und Besitz muss zurückbleiben. Umso lauter begehren noch einmal Ängste und Triebe auf, vor allem der Trieb der Selbsterhaltung und Arterhaltung, Wolf und Hund. Bilder von geliebten Menschen tauchen auf, wollen den Menschen auf dieser Einweihungsstufe bei der persönlichen Liebe packen…

Viele gehen den Illusionen und Trugbildern in die Falle. An dieser Schwelle, wo sie die Möglichkeit haben, in ihrem irdischen, lebendigen Körper ins geistige Leben hinüberzutreten, packt sie blanke Todesangst, jetzt wirklich sterben zu müssen und sie klammern sich verzweifelt an die materielle Welt der Erscheinungen, fallen wieder tief zurück ins materielle Bewusstsein. Für sie ist die Konfrontation mit ihren Urängsten das Stadium einer großen Prüfung. Durch wiederholte Stirb-und-werde-Erfahrungen werden sie lernen müssen, den Tod zu verachten. Notwendig für sie wird der Weg zurück aus der äußeren Scheinwirklichkeit in ihr inneres Selbst (den Teich mit dem großen Krebs): Sie ziehen sich in sich selbst zurück und haben die Chance, ihre seelischen Inhalte und ihr ganzes irdisches Leben zu bearbeiten, zu verdauen und dann eines Tages hinter sich zu lassen.

Der Mensch, der bis hierhin keine der Bewusstseinsstufen ausgelassen hat, weiß, dass es keinen Tod und keine Trennung von Diesseits und Jenseits gibt, sondern nur e i n  Leben, das unsterblich und ewig ist. Wie der strahlende Mond steht dieser Mensch (als reine Seele) hoch über der irdischen Landschaft, über den heulenden Trieben und Ängsten, die ihn nicht mehr beißen können, und über seinem alten persönlichen Leben.
Er befindet sich in einem Zustand, da Geburt und Tod zusammenfallen. Nackt ist er zur Welt gekommen, war einfach da, hatte in seinem Bewusstsein weder Eltern, Freunde noch Besitz. Er erfuhr die Welt als ein zusammenhängendes Ganzes. Ebenso ist es im Moment des Sterbens. Nichts gehört uns und wir gehören niemandem. Nur mit diesem Bewusstsein kann die Schwelle übertreten werden.
Wo die irdische Geburt hineinführt in die Materie und für den herabsteigenden Geist den Tod bedeutet, so führt das Verlassen der irdischen Welt zu einer Geburt in der geistigen Welt, zur  Auferstehung in ein ewiges Leben. Aus irdisch-materieller Sicht scheint es ein Leben vor und hinter der Schwelle zu geben. Ist die Schwelle überschritten, ist die vordergründige Welt des Scheins gestorben und es existiert nur ein ewiges Leben in Gott – das ewige Sein. In allem, was ist, wird das Bleibende, Unvergängliche erkannt.



Isis – die richtende Seele

Auf der nächsten Karte mit dem Titel Gericht oder Auferstehung (XX) ist die Trennung aufgehoben. Es gibt keinen Schuldigen, keinen Ankläger und keinen Richter. Der Mensch hat sich selbst neu ausgerichtet. Er ist im Geiste und im Körper neu geboren und auferstanden. Der neue Archetyp Mensch, der hier zwischen „Vater“ und „Mutter“ aus dem Sarkophag der körperlichen Gefangenschaft aufersteht, ist das „göttliche Kind“, das die Erlösung in sich trägt. Mit dem Todeserlebnis und dem abgestreiften Körper-Ich befreit sich die göttliche Seele gleichzeitig von allen Eindrücken, die sie im Laufe ihres Erdenlebens gesammelt hat. Der Mensch sieht nun ganz klar seine Beweggründe, Taten und die Auswirkungen seiner Taten – ungeschminkt, hüllenlos, ohne Ausreden, Beschönigungen und Schuldzuweisungen. Er richtet sich selbst – und stellt fest, dass er alle Schulden schon bezahlt hat.

Aus der Perspektive des großen Engels, der die Posaune bläst, überblickt er sein Leben und die Welt von oben, aus geistiger Sicht. Er ist leibhaftig in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt. Er ist hier wie dort: ER SELBST. Es gibt keine Instanz mehr außerhalb von ihm. Die Posaune ist seine innere Stimme, der Ruf, die Berufung. Er ist sein eigenes Wissen und Gewissen, kennt den Grund seines Daseins auf der Erde. Der Vorhang zwischen den Polaritäten ist verschwunden. Die göttliche Seele offenbart sich als „Neuer Mensch“, als Kind von ISIS und dem wieder zusammengefügten OSIRIS. Der Archetyp SOHN – und ihm ebenbürtig der Archetyp TOCHTER – ist das Kind des Neuen Zeitalters (HORUS). Sohn und Tochter sind das göttliche Kind, der neue im Geiste geborene Mensch, der eins mit dem Weltgeist ist.


Bleibt zuletzt noch das Universum oder die Welt (XXI), die sich als junge, tanzende, nackte Göttin im grünen Kranz der Natur offenbart: Ein Urbild (Archetyp) des ganzen Menschen in seiner Einheit mit dem Universum. Er ist eins mit dem Sein. In allem, was er sieht, schaut er Gott. Die Frau stellt hier den weiblichen Aspekt Gottes dar, Gott als „Mutter“, als sichtbare Schöpfung und Natur (Isis). Sie tanzt im unendlichen Kreis der Zyklen. Untrennbar verbunden mit dem unsichtbaren göttlichen Geist offenbart sie im Tanzen und Kreisen die Einheit des Schöpfers mit seiner Schöpfung.


Bildquellen: (C) Sundra Kanigowski
Tarotkarten nach Oskar Wirth, Crowley/Harris
TAROT, Die 22 Bewusstseinsstufen des Menschen, erläutert von Elisabeth Haich, Drei Eichen Verlag

Sonntag, 29. November 2015

Verbindung von I und S (IS) führt zu Isis und Osiris



Islam und Isis  - etymologisch

Eine männliche Formulierung für den Begriff Islam heißt: „sich Gott unterwerfen“ – eine weibliche Formulierung könnte heißen „sich Gott hingeben“ oder „Frieden finden in Gott“, denn das Wort Islam stammt von der arabischen Wurzel Salam, Frieden, ab. Der göttliche Buchstabe „I“, erinnert an den erhobenen Zeigefinger und den „Fingerzeig Gottes“; das „I“ vor Salam (Frieden) deutet an, dass der Friede ursprünglich aus Gott kommt. Es zeugt von innerer Größe und Aufrichtigkeit, wenn das persönliche Ich des Menschen oder auch der eigene Wille sich in Demut dem transzendenten Willen Gottes und dem kosmischen Grundgesetz übergibt und darin seinen Frieden findet. Es ist ein Eingehen in Gott, der ein Ort und Zustand des Friedens ist.  

I und S, Stab und Schlange,

sind das uralte Symbol der Einheit von Geist und Materie. Die Symbolik von I und S zeigt die schöpferische Zusammenarbeit von männlich-geistiger Zeugungskraft (Phallus, Shiva, Osiris, Djed-Pfeiler, I), die vom Himmel auf die Erde steigt und den Stoff befruchtet, das in ihm ruhende seelische „Schlangenfeuer“, die schöpferisch-weibliche Kraft Gottes (Shakti, Isis, Shekinah, S) erweckt und im subtilen Energiekanal der Wirbelsäule aufsteigen lässt (IS bzw. $). Aus der waagrecht kriechenden Schlange wird eine aufsteigende Schlange der Weisheit (S), die sich mit Osiris, dem Geist der Einheit ($) vereint. In heiligen Schriften ist von der „Aufrichtung“ oder „Erhöhung der Schlange“ oder dem „Aufrichten des Djed-Pfeilers des Osiris die Rede. Dieser Pfeiler steht für die Weltachse (axis mundi), einem Symbol für die Beständigkeit und Dauer des Lebens. Sie steht auch für die menschliche Wirbelsäule, die die verschiedenen Welten, Körper und Bewusstseinsstufen eint. Durch diesen mittleren „Stab“ fließt das vitale feinstoffliche Fluidum, die schöpferische Schlangenkraft.

Vereint und in aufrechter Stellung beschreiben die beiden Buchstaben IS die „Heilige Lehre“, den Abstieg des Geistes über die Seele und die Energie des mittleren Energiekanals zur Materie (I) und den Aufstieg der Materie über die Seele und den Wirbelsäulenkanal zum Geist (S).

Die IS-Rune

Aus der überlieferten germanischen Runenschrift kennen wir die IS-Rune, den magischen Stab mit zwei Polen, der auch zu den Werkzeugen des Magiers auf der ersten Tarotkarte gehört. Der Umgang mit dem Stab der Polarität kann zur Erhaltung und Bewahrung des Individuums beitragen, aber auch zu dessen Isolierung, Verhärtung und Vereisung (Eiszapfen). IS kann bei entsprechender Selbsterkenntnis zu Selbstbeherrschung und einer beständigen inneren Aufrichtigkeit und Zentriertheit führen – dem „bei der Stange bleiben“, wenn der Mikrokosmos Mensch sich in die makrokosmische Weltordnung einfügt.

Somit beinhaltet die Symbolik von IS in entsprechenden Stirb- und Werdezeiten auch das Errichten einer neuen Weltordnung und dem vehementen Widerstand der alten Ordnung. Die Benutzung von Symbolen und Namen – wie dem der Isis – führt bei rechter Anwendung und rechter Motivation, z.B. im Gebet in der Stille und Meditation, zu einer umfassenden inneren Reinigung, zu Selbsterkenntnis und notwendigen Transformationen und einem Entwicklungsdrang. Doch wer sich der Symbole bedient für ein Mehr an Macht und Einfluss in der Außenwelt oder um eine neue Weltordnung mit den alten Mitteln von Gewalt und Terror zu errichten (siehe Dollarzeichen $, allsehendes Auge oder ISIS als Name für eine Terrormiliz), wird den notwendigen Reinigungs- und Transformationsprozess nur beschleunigen.

Isis, Osiris und Sirius

Isis ist eine Verdoppelung der Silbe. Es besteht ein auffälliger Zusammenhang zum Namen Sirius, in dem sich auch die Buchstabenfolge IRI-SUS und UR-IS-IS verbergen. Sirius, unser hellster Fixstern, ist ein Zweisterne- bzw. Zweisonnensystem. Der dunkle Begleiter des hell strahlenden Sirius A wird Sirius B genannt. Er umkreist die strahlende Brudersonne in 50 Jahren und dreht sich dabei einmal um sich selbst. Der Mondkalender und die Sothis-Periode wurden von den Ägyptern nach dem dunklen Sirius-Begleiter berechnet. Sirius wurde in Babylonien sir oder shir, “Bogenstern” genannt und durch alle Zeiten symbolisch als ein nach unten oder oben offener Bogen ∩, als kleiner Fünfstern « und als spitz zulaufendes Dreieck („Drachenzahn“) abgebildet. Der U-Bogen stellt den Zusammenhang mit der Ur-Isis, der Urmutter her. Im alten Ägypten war Sirius von herausragender Bedeutung, taucht im Zusammenhang mit dem Mythos von Osiris und Isis auf und trug auch den Namen Sothis.

Der Autor von Robert K.G. Temple („Das Sirius-Rätsel“) sieht die helle Siriussonne als eine Verkörperung der Isis an und die umkreisende dunkle Siriussonne (B) als Nephtys, Schwester von Isis /Osiris, als Verkörperung des Dunklen, Unsichtbaren.

Der Mythos erzählt, dass Osiris mit Nephtys ein Kind zeugt: den pechschwarzen Anubis-Hund, den Hüter der Schwelle im Totenreich des Westens und das erste Wesen, das den Göttern und Menschen die magischen Mittel für die Wiedergeburt offenbar hat. Anubis überwacht als Priester und „Wegeöffner“ im inneren Tempel die Mumifizierung der Gestorbenen, die Seelenwägung und Mundöffnung sowie den geheimen Ritus des Wiege-Fells. Die dunklen Geheimnisse der ägyptischen Einweihungszeremonien um Tod und Wiedergeburt finden sich auch in der Symbolik der Tarotkarten wieder – zwischen dem Tod (XIII) und der Auferstehung (XX), der Vollendung des alchemistischen Großen Werkes.


Wer ist Isis?

Isis ist sowohl kosmische Sternenmutter als auch Erdmutter, die den durch Seth zerstückelten Körper des Osiris wieder zusammensetzt – dank ihrer Liebe, ihrer magischen Fähigkeiten und der Unterstützung von Anubis. Der Körper des Osiris stellt das Ganze dar, die kosmische Einheit des Geistes, die durch die widerstreitenden, polaren Kräfte zerstreut wird und die jeder Mensch in sich selbst wieder neu strukturieren muss. Sie bringt Leben im Sichtbaren und im Unsichtbaren hervor. Sie entscheidet auch, wann der Schleier zwischen den beiden Welten fallen darf.


Ihre unsichtbaren Formen stehen mit ihrem Bruder-Gemahl Osiris in Verbindung und ihre sichtbaren Formen mit ihrem Sohn Horus, den sie mit dem verstorbenen Osiris zeugte, indem sie dessen unauffindbaren Phallus nachbildet und ihn heiligt. Isis steht als aktive, weiblich-schöpferische Kraft immer hinter Osiris (in der passiven Rolle) und schützt ihn; sie aktiviert mit ihren Flügeln die Vitalität des Gottes. Sie kennt die Mittel der Verjüngung und bringt alle Dinge zu ihrem Ursprung und zur Wiedergeburt zurück. Sie ist der Thron, auf den sich jede Macht stützt. Als Göttin der Ordnung und Gerechtigkeit (Maat) repräsentiert sie die Intelligenz der Materie und das Wissen um die Weltordnung (Kosmos).

Isis offenbart die hermetische Weisheit und die Lehren des THOT, führt in die Geheimnisse der Mysterien ein, lehrt die Menschen, heiliges Wissen zu erlangen, profane Dinge zu heiligen und die individuelle Seele mit dem Osiris, dem Ganzen, zu vereinen. 


Es geht nun weiter mit der Isis und ihrer Symbolik im Tarot.
Sundra




Bildquelle: (C) sundra
Verwendete Literatur: 
Fernand Schwarz ""Ägypten - Die Kraft der Symbole"VErlag Filosofica, Graz 2010
Gabriele Quinque "Tempelschlaf - Grundlagen der Trance-Arbeit", param Verlag, 2003
Elisabeth Haich "Tarot" Drei Eichen Verlag, München, 1971



Der Schleier der Isis 20° Skorpion



Der Neumond vom 11.11.2015 aktiviert den Punkt 20° Skorpion (230. Grad im Tierkreis) mit dem Sabischen Symbol[1]
 
„Eine Frau zieht zwei dunkle Vorhänge am Zugang zu einem geheiligten Pfad auf.“

Der 20. Grad, mit dem das zweite Dekanat des fixen Wasserzeichens endet, ist erfahrungsgemäß ein schwieriger und kritischer Grad mit einer Mars/Pluto-Prägung (Hilble). 

Als Gruppenschicksalspunkt (Döbereiner) ein Mond/Pluto: leidenschaftlicher Ausbruch tief verdrängter Inhalte; Durchbruch innerer Bilder, die nach Gestaltung drängen; intensives Wahrnehmen unbewusster Botschaften; Urängste u. Kindheitstraumata brechen durch; die Befestigungsdämme der Vernunft werden eingerissen - der Schleier weggerissen.

Gebären, Fortpflanzen und Sterben sind in vollem Gange – vor Jahrhunderten und Jahrtausenden ebenso wie jetzt und in der Zukunft. Doch an diesem Punkt wird eine schöpferische Wirklichkeit geboren, ein neuer Archetyp, das neue Urbild des Menschen, dessen Zeit nun gekommen ist: der Sohn Horus, das Kind von Isis und Osiris. Wenn die menschlichen Bindungen dieses Urerlebnis des Gebärens nicht zulassen oder verhindern wollen, kommt es zu einem leidenschaftlichen Ausbruch aus dem alten Milieu - auch aus dem alten ideologischen und geistigen Milieu. Das ist das schöpferische Potenzial des letzten NEUMONDS vom 11.11.2015.

Johann Hilble[2] beschreibt diesen 20. Skorpiongrad als 
„Punkt mit Urenergie, oft radikal, umwälzend bis unmenschlich“, der zu einer „Begegnung mit den Leichen im eigenen Keller“ führt. Ebenso als

„Metamorphosegrad; Leidenschaftspunkt; Stirb- und Werdeprozess;
karmische Öffnung; schicksalhafter Zwang;
Affinität zu Ereignissen mit schockierendem Charakter;
Urängste steigen (wieder) auf;
Chance zur Befreiung von alten Zwängen;
Opferungsthematik des Individuums zugunsten der Erhaltung der Art;
schwarze Magie (‚Hexenpunkt’)“.

Die Aktivierung dieses karmischen Öffnungspunkts bringt noch in der Neumondphase (zwei Tage später) die Gewalttaten einer ganz anderen ISIS ans Licht, einer Terror-Organisation, die sich Islamischer Staat nennt und nur aus männlichen Kriegern und brutalen Mördern besteht. Keine Spur von der müttlerlich-liebenden altägyptischen Göttin. Zeigt die Göttin ihr anderes dunkles Gesicht, spiegelt sie nur unseren projizierten Schatten wider, oder wollen sich die unreifen Muttersöhnchen mit diesen Gräueltaten von ihren leiblichen Vätern und deren Indoktrinationen befreien und an die Stelle der alten Ideologien ihre eigenen etablieren?

Die selbst ernannten ISIS-Söhne verachten das Leben und das Weiblich-Mütterliche; sie verachten ihre Ursprünge und stürzen sich ohne inneren Halt in den gefährlich rasenden Fluss der Beschleunigung unserer Zeit. Mit Macht und Gewalt wollen sie den männlichen Geist in die Erde rammen. Sie setzen das Werk der Väter fort und morden die Mütter. Dann morden sie die Väter und schließlich die eigenen Brüder und sich selbst. Das Sterben greift um sich. Trotz aller äußeren Gelehrsamkeit und Bildung ist der innere Mensch leer und unerfüllt. Ihm fehlen die göttlichen Urbilder des ursprünglichen Zusammenhangs. Wenn der Schleier des äußeren Götzentums zerreißt – was bleibt dann?
Innere Zerrissenheit?
Sinnlosigkeit?
Nihilismus?

Brauchen wir diese Erfahrung, um wieder zur ursprünglichen Heiligen Lehre zu finden, zum Archetyp des ursprünglichen Menschen und zum lebendigen Mythos von Osiris und Isis, der in uns lebt und durch uns wirkt?

Wie unreif, wild und unmenschlich diese Horde irregeleiteter „Isis-Söhne“ uns auch erscheinen mag, sie sind ein verzerrtes Bild der lange unterdrückten, verdrängten, schöpferischen Geisteskräfte, die mit aller Macht die alte Weltordnung kalter Unmenschlichkeit und Härte zerstört, um die wahren Bedürfnisse der Menschenseele ans Licht und ins Bewusstsein zu bringen.

Kriege, Töten und Morden waren und sind weiterhin an der Tagesordnung – nur nicht mehr so fern wie im Fernsehen, sondern nah und näher. Das Unmenschliche, der Brudermord, kriecht unter die Haut und geht uns an – wo wir doch alle eine Vision oder zumindest eine Ahnung von der Verbrüderung und Ebenbürtigkeit aller Menschen haben… doch vor der Hinterfragung unserer Motive bis in den letzten Winkel drücken wir uns. Ein bisschen mehr Angst, Schrecken und Terror und ein bisschen näher als nur im „fernen Osten“ – und schon wachsen die nationalen Egodrachenhälse gleich meterweit in die Höhe, beharren auf mein und dein, bauen ihre Mauern höher, rüsten auf, schießen schärfer und verbrüdern sich untereinander, um den „bösen Feind“ da draußen gemeinsam auszurotten. Dabei schießen sie nur auf ihren eigenen Schatten, töten sich selbst und ihre eigenen Brüder, fallen zurück in primitive Verhaltensweisen. Der Feind ist in ihnen; der Feind ist in uns. Da sind die Urbilder unserer Märchen und Mythen wesentlich gehaltvoller!

Man könnte beinahe glauben, das Leben der Welt und die Beschäftigung der Menschen bestehe nur aus dem Jagen und Fangen von Feindbildern, die als Schatten auf Wände und Vorhänge geworfen werden. Jeder Ball, den wir auf diese Schattenziele werfen, die an bestimmten Objekten haften, kommt zu uns zurück – in derselben Dynamik und Absicht, mit dem wir ihn geworfen haben.

Der Feind tritt immer dann in Erscheinung, wenn es an der Zeit ist, ihn zu lieben.

Ich erinnere mich an das Feindbild Osama Bin Laden im Zusammenhang mit dem 11.9. 2001. Fünf Wochen v o r dem Attentat auf das WTC bin ich im TRAUM (4.8.2001) auf einem Botschaftsball und tanze einen Tanz nach dem anderen mit meinem neuen Geliebten, dem ägyptischen Staatspräsidenten, der aber aus Saudi-Arabien stammt und gar nicht wie der ehemalige Präsident Nasser aussieht … Ein paar Tage nach dem Anschlag sehe ich das Foto von Osama bin Laden in der Zeitung mit genau den Beschreibungen und Informationen, die ich im Traum über ihn und seine Angehörigen erhalten habe. In seinem Bild erkenne ich sofort meinen Traumgeliebten wieder und bin im ersten Moment total verwirrt wegen meiner tiefen und starken Sympathie.

Ich tanze also mit dem Feindbild der ganzen Welt – schon Wochen vor seiner öffentlichen Deklaration als solcher! Ich sympathisiere im Innern mit einem Terroristen und einem mächtigen Archetypen. Durch die Liebe zu ihm wandelt sich das Feindbild in das des Geliebten. Wir träumen vom Feind, wenn es Zeit wird ihn zu lieben.

Dabei könnte der Tanz mit dem Feindbild auch lehrreich sein und mit der Erlösung und Entzauberung des Bösen enden – wie im Märchen „Die Schöne und das Biest“. Doch dazu müsste der Mensch seelisch rein sein und lieben können. Das kann er erst, wenn er sich selbst bis auf den Seelengrund erforscht und gewandelt hat. Er wird alles in sich selbst entdecken, was er dem „Anderen“ anhängt oder angehängt hat. Im Bild des karmischen Ausgleichs fällt der eigene Schatten zurück auf den Urheber.

  
Das Mysterium von Tod und Wiedergeburt als Heilige Lehre

Im Zeichen Skorpion geht es um das Mysterium von Tod und Wiedergeburt, um den Transformationsprozess des Stirb und Werde in den niederen Körpern des Menschen. Tod und Geburt bzw. Wiedergeburt gehören zum Mysterium des Weiblichen, das nicht nur von Frauen erlebt wird. Alles Leben kommt aus den Urwassern und seinem dunklen Schoß.

Jeder Mensch hat Erinnerungen an den dunklen Ort und Zustand, den wir „vorgeburtlich“ nennen – wenn er auch den meisten von uns unbewusst ist. Der schöpferische Akt – die Zeugung, Befruchtung und das Heranwachsen eines neuen Menschenkinds im Leib der Mutter oder der Erde – vollzieht sich im Dunkeln und Unbewussten. Mit der Geburt erscheint das neue Menschenkind auf der Erde, und beim Tod verschwindet das individuelle Leben wieder aus der Sichtbarkeit.

Verlässt ein schöpferischer Gedanke (scheinbar) die geistige Welt und begibt sich zum Zwecke der Verwurzelung (Einpflanzung) mittels der Seele in die Erde, umgibt sich der Geist mit einer dichteren Schwingung und legt den so genannten Schleier der Natur (Maya) an. Der Archetyp Mensch nimmt eine Form an. Beim Sterben befreit sich der Geist von der geliehenen Form, legt das irdische Kleid ab und steigt mittels der Seele wieder hinauf in die himmlischen Sphären, in denen er ebenfalls seit Anbeginn der Schöpfung „eingepflanzt“ oder verwurzelt ist.

Für den Vorgang des zyklischen Kommens und Gehens[3] werden viele Metaphern bebraucht, so auch das Bild eines Durchgangs, einer Verbindungstür oder Pforte zwischen Jenseits (Himmel) und Diesseits (Erde). Wenn die Menschenseele die geistige Welt verlässt, wird sie im Irdischen geboren und willkommen geheißen. Verlässt sie die irdische Welt durch dieselbe Tür, wird sie von den Hierbleibenden verabschiedet – sie „stirbt“ für die Welt – und wird in der geistigen Welt wiedergeboren. So verhält es sich auch mit dem Vorhang, der Zusammengehöriges trennt und in zwei Seiten spaltet – in ein Vorher und ein Nachher, in Hier und Dort, Inneres und Äußeres, Ich und Nicht-Ich, Sichtbares und Verborgenes.  


Schöpfung als Fortdauer (Sein) und Entwicklung (Werden)



Das Verlassen und die Trennung sind nur scheinbar. Es gibt nur eine Welt, einen Raum. Es gibt keine Trennung von Himmel und Erde, Geist und Materie. Auch der irdisch erscheinende Mensch als Mann oder Frau ist und bleibt innerlich verbunden mit dem Archetyp Mensch, dem höheren Menschen des Ursprungs, der als Urbild das Ganze ist: Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Der ganze Mensch ist im Irdischen wie im Himmlischen verwurzelt. Er ist ein Kind von Himmel und Erde und trägt das Archetypische von Yang und Yin in sich.

Einerseits ist der Archetyp Mensch seit Anbeginn der Schöpfung eine vollkommene Schöpfung in Einheit mit dem Schöpfer, kann sich als solche ständig neu erschaffen und sorgt auf diese Weise für einen andauernden Schöpfungsprozess. Andererseits geschieht mit dem SEIN auch das WERDEN, die Entwicklung, wenn der Mensch nach erfolgter Individuation die verstreuten Einzelteile wieder einsammelt und zum Ganzen zusammenfügt. Hiermit beginnt der Mensch in seinem Kindstadium des Geistes. Er ist Kind mit einem schöpferischen Potenzial unentfalteter Möglichkeiten, das alles noch vor sich hat und zu dem heranreift, was es bereits vom Ursprung her ist: ein Sohn oder eine Tochter des Himmels und der Erde – sprich ein ganzer Mensch.

Die Bestimmung des irdisch erscheinenden Menschen kann demzufolge nur sein, das ihm eigene innere Urbild als Sohn oder Tochter von Himmel und Erde zu verwirklichen. Er darf sein volles schöpferisches Potenzial entfalten und bedingungslos aus ihm schöpfen, sich bewusst wieder mit den göttlichen Ursprungskräften vereinen. Obwohl seit Ewigkeiten auf der Seinsebene mit dem Archetypus vereint, ist er auf der Entwicklungsstufe ein Kind des neuen, in ihn eingepflanzten Urbilds. Er ist sich der schöpferischen Anlagen seiner Ganzheitlichkeit noch nicht bewusst, ebensowenig der damit verbundenen Mündigkeit und Verantwortung. Die meisten Menschen sehen sich als Anhängsel und Produkt ihrer leiblichen Eltern und sind es auch; sie leben nur eine Hälfte ihres Daseins, die Verwurzelung im Irdischen. Zu den Urbildern (Archetypen) im Inneren und seinem schöpferischen Potenzial, sich selbst zu erneuern, hat der äußere Mensch keinen Kontakt, sehnt sich aber unbewusst danach.

So wie es äußere, leibliche Eltern gibt, gibt es Vater und Mutter auch als Archetypen im inneren, ursprünglichen Bereich des Menschen. als innere geistige Urgestalten. Es sind Himmel und Erde oder Yang und Ying. Sie entsprechen den zwei großen schöpferischen Urströmen im Menschen, dem Geist des elementaren und biologischen Lebens (Erde) und dem Leben des Geistes (Himmel). Geistig im Sinne von ursprünglich-archetypisch sind sie beide.

Hinter den Vorhang schauen

Aktiviert durch den aktuellen Neumond ist es also für die Menschheit an der Zeit, den Schleier zu lüften und auch das Hintergründige, Unsichtbare und bisher Unbewusste zu integrieren. Wenn es an der Zeit ist, ist der Mensch auch vorbereitet oder er wird durch das Geschaute und Erlebte vorbereitet.

Es heißt in den antiken Mysterien: Wenn ein sterblicher, das heißt ein unmündiger, unerwachter Mensch den Schleier der Natur (Isis) lüftet, wird er vom Geschauten so schockiert sein, dass er stirbt oder als Geistesgestörter den Tempel verlässt. Es kann aber auch vorkommen, dass ein neurotischer oder gemütskranker Mensch gerade durch die negativen, erschütternden Erlebnisse gesund wird oder seine Lebensweise radikal (an der Wurzel!) ändert.

Unserem täglichen Leben fehlt eindeutig die lebendige Beziehung zu unseren geistigen Ursprüngen. Es fehlt die bewusste Beziehung zu den Urbildern. Auch wenn wir sie leugnen, leben, wirken und existieren sie – sowohl innen als auch außen. Es mangelt dem Menschen an tieferen und höheren Bewusstseinszuständen. Es mangelt an Selbsterkenntnis und vor allem am inneren Halt in dieser rasenden Zeit des Wandels und der Beschleunigungen.


Wie steht es mit unserer himmlischen und irdischen Verwurzelung, mit der Verwirklichung der inneren Urbilder von Vater und Mutter?  Sind wir uns bewusst, dass wir Götter sind? Sind wir uns unserer wahren Herkunft und geistigen Urbilder bewusst? Sind wir bereit, als Persönlichkeit und Individuum zu sterben – als Produkt unserer Rasse, unserer Kultur und leiblichen Ahnen – und das Urbild des schöpferischen Menschen zu verwirklichen?  


Im nächsten Eintrag untersuche ich das Bild der Isis – mit und ohne Schleier.
Sundra

 Alle Bilder (C) Sundra


[1] Dane Rhudhyar: Astrologischer Tierkreis und Bewusstsein, Hugendubel Verlag, München 1984
[2] Hilble, Johann: Faszination Geburtszeitkorrektur, Books on Demand ISBN 3831104042
 [3] Inkarnation (Fleischwerdung), Kreislauf von Tod und Wiedergeburt