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Sonntag, 29. November 2015

Der Schleier der Isis 20° Skorpion



Der Neumond vom 11.11.2015 aktiviert den Punkt 20° Skorpion (230. Grad im Tierkreis) mit dem Sabischen Symbol[1]
 
„Eine Frau zieht zwei dunkle Vorhänge am Zugang zu einem geheiligten Pfad auf.“

Der 20. Grad, mit dem das zweite Dekanat des fixen Wasserzeichens endet, ist erfahrungsgemäß ein schwieriger und kritischer Grad mit einer Mars/Pluto-Prägung (Hilble). 

Als Gruppenschicksalspunkt (Döbereiner) ein Mond/Pluto: leidenschaftlicher Ausbruch tief verdrängter Inhalte; Durchbruch innerer Bilder, die nach Gestaltung drängen; intensives Wahrnehmen unbewusster Botschaften; Urängste u. Kindheitstraumata brechen durch; die Befestigungsdämme der Vernunft werden eingerissen - der Schleier weggerissen.

Gebären, Fortpflanzen und Sterben sind in vollem Gange – vor Jahrhunderten und Jahrtausenden ebenso wie jetzt und in der Zukunft. Doch an diesem Punkt wird eine schöpferische Wirklichkeit geboren, ein neuer Archetyp, das neue Urbild des Menschen, dessen Zeit nun gekommen ist: der Sohn Horus, das Kind von Isis und Osiris. Wenn die menschlichen Bindungen dieses Urerlebnis des Gebärens nicht zulassen oder verhindern wollen, kommt es zu einem leidenschaftlichen Ausbruch aus dem alten Milieu - auch aus dem alten ideologischen und geistigen Milieu. Das ist das schöpferische Potenzial des letzten NEUMONDS vom 11.11.2015.

Johann Hilble[2] beschreibt diesen 20. Skorpiongrad als 
„Punkt mit Urenergie, oft radikal, umwälzend bis unmenschlich“, der zu einer „Begegnung mit den Leichen im eigenen Keller“ führt. Ebenso als

„Metamorphosegrad; Leidenschaftspunkt; Stirb- und Werdeprozess;
karmische Öffnung; schicksalhafter Zwang;
Affinität zu Ereignissen mit schockierendem Charakter;
Urängste steigen (wieder) auf;
Chance zur Befreiung von alten Zwängen;
Opferungsthematik des Individuums zugunsten der Erhaltung der Art;
schwarze Magie (‚Hexenpunkt’)“.

Die Aktivierung dieses karmischen Öffnungspunkts bringt noch in der Neumondphase (zwei Tage später) die Gewalttaten einer ganz anderen ISIS ans Licht, einer Terror-Organisation, die sich Islamischer Staat nennt und nur aus männlichen Kriegern und brutalen Mördern besteht. Keine Spur von der müttlerlich-liebenden altägyptischen Göttin. Zeigt die Göttin ihr anderes dunkles Gesicht, spiegelt sie nur unseren projizierten Schatten wider, oder wollen sich die unreifen Muttersöhnchen mit diesen Gräueltaten von ihren leiblichen Vätern und deren Indoktrinationen befreien und an die Stelle der alten Ideologien ihre eigenen etablieren?

Die selbst ernannten ISIS-Söhne verachten das Leben und das Weiblich-Mütterliche; sie verachten ihre Ursprünge und stürzen sich ohne inneren Halt in den gefährlich rasenden Fluss der Beschleunigung unserer Zeit. Mit Macht und Gewalt wollen sie den männlichen Geist in die Erde rammen. Sie setzen das Werk der Väter fort und morden die Mütter. Dann morden sie die Väter und schließlich die eigenen Brüder und sich selbst. Das Sterben greift um sich. Trotz aller äußeren Gelehrsamkeit und Bildung ist der innere Mensch leer und unerfüllt. Ihm fehlen die göttlichen Urbilder des ursprünglichen Zusammenhangs. Wenn der Schleier des äußeren Götzentums zerreißt – was bleibt dann?
Innere Zerrissenheit?
Sinnlosigkeit?
Nihilismus?

Brauchen wir diese Erfahrung, um wieder zur ursprünglichen Heiligen Lehre zu finden, zum Archetyp des ursprünglichen Menschen und zum lebendigen Mythos von Osiris und Isis, der in uns lebt und durch uns wirkt?

Wie unreif, wild und unmenschlich diese Horde irregeleiteter „Isis-Söhne“ uns auch erscheinen mag, sie sind ein verzerrtes Bild der lange unterdrückten, verdrängten, schöpferischen Geisteskräfte, die mit aller Macht die alte Weltordnung kalter Unmenschlichkeit und Härte zerstört, um die wahren Bedürfnisse der Menschenseele ans Licht und ins Bewusstsein zu bringen.

Kriege, Töten und Morden waren und sind weiterhin an der Tagesordnung – nur nicht mehr so fern wie im Fernsehen, sondern nah und näher. Das Unmenschliche, der Brudermord, kriecht unter die Haut und geht uns an – wo wir doch alle eine Vision oder zumindest eine Ahnung von der Verbrüderung und Ebenbürtigkeit aller Menschen haben… doch vor der Hinterfragung unserer Motive bis in den letzten Winkel drücken wir uns. Ein bisschen mehr Angst, Schrecken und Terror und ein bisschen näher als nur im „fernen Osten“ – und schon wachsen die nationalen Egodrachenhälse gleich meterweit in die Höhe, beharren auf mein und dein, bauen ihre Mauern höher, rüsten auf, schießen schärfer und verbrüdern sich untereinander, um den „bösen Feind“ da draußen gemeinsam auszurotten. Dabei schießen sie nur auf ihren eigenen Schatten, töten sich selbst und ihre eigenen Brüder, fallen zurück in primitive Verhaltensweisen. Der Feind ist in ihnen; der Feind ist in uns. Da sind die Urbilder unserer Märchen und Mythen wesentlich gehaltvoller!

Man könnte beinahe glauben, das Leben der Welt und die Beschäftigung der Menschen bestehe nur aus dem Jagen und Fangen von Feindbildern, die als Schatten auf Wände und Vorhänge geworfen werden. Jeder Ball, den wir auf diese Schattenziele werfen, die an bestimmten Objekten haften, kommt zu uns zurück – in derselben Dynamik und Absicht, mit dem wir ihn geworfen haben.

Der Feind tritt immer dann in Erscheinung, wenn es an der Zeit ist, ihn zu lieben.

Ich erinnere mich an das Feindbild Osama Bin Laden im Zusammenhang mit dem 11.9. 2001. Fünf Wochen v o r dem Attentat auf das WTC bin ich im TRAUM (4.8.2001) auf einem Botschaftsball und tanze einen Tanz nach dem anderen mit meinem neuen Geliebten, dem ägyptischen Staatspräsidenten, der aber aus Saudi-Arabien stammt und gar nicht wie der ehemalige Präsident Nasser aussieht … Ein paar Tage nach dem Anschlag sehe ich das Foto von Osama bin Laden in der Zeitung mit genau den Beschreibungen und Informationen, die ich im Traum über ihn und seine Angehörigen erhalten habe. In seinem Bild erkenne ich sofort meinen Traumgeliebten wieder und bin im ersten Moment total verwirrt wegen meiner tiefen und starken Sympathie.

Ich tanze also mit dem Feindbild der ganzen Welt – schon Wochen vor seiner öffentlichen Deklaration als solcher! Ich sympathisiere im Innern mit einem Terroristen und einem mächtigen Archetypen. Durch die Liebe zu ihm wandelt sich das Feindbild in das des Geliebten. Wir träumen vom Feind, wenn es Zeit wird ihn zu lieben.

Dabei könnte der Tanz mit dem Feindbild auch lehrreich sein und mit der Erlösung und Entzauberung des Bösen enden – wie im Märchen „Die Schöne und das Biest“. Doch dazu müsste der Mensch seelisch rein sein und lieben können. Das kann er erst, wenn er sich selbst bis auf den Seelengrund erforscht und gewandelt hat. Er wird alles in sich selbst entdecken, was er dem „Anderen“ anhängt oder angehängt hat. Im Bild des karmischen Ausgleichs fällt der eigene Schatten zurück auf den Urheber.

  
Das Mysterium von Tod und Wiedergeburt als Heilige Lehre

Im Zeichen Skorpion geht es um das Mysterium von Tod und Wiedergeburt, um den Transformationsprozess des Stirb und Werde in den niederen Körpern des Menschen. Tod und Geburt bzw. Wiedergeburt gehören zum Mysterium des Weiblichen, das nicht nur von Frauen erlebt wird. Alles Leben kommt aus den Urwassern und seinem dunklen Schoß.

Jeder Mensch hat Erinnerungen an den dunklen Ort und Zustand, den wir „vorgeburtlich“ nennen – wenn er auch den meisten von uns unbewusst ist. Der schöpferische Akt – die Zeugung, Befruchtung und das Heranwachsen eines neuen Menschenkinds im Leib der Mutter oder der Erde – vollzieht sich im Dunkeln und Unbewussten. Mit der Geburt erscheint das neue Menschenkind auf der Erde, und beim Tod verschwindet das individuelle Leben wieder aus der Sichtbarkeit.

Verlässt ein schöpferischer Gedanke (scheinbar) die geistige Welt und begibt sich zum Zwecke der Verwurzelung (Einpflanzung) mittels der Seele in die Erde, umgibt sich der Geist mit einer dichteren Schwingung und legt den so genannten Schleier der Natur (Maya) an. Der Archetyp Mensch nimmt eine Form an. Beim Sterben befreit sich der Geist von der geliehenen Form, legt das irdische Kleid ab und steigt mittels der Seele wieder hinauf in die himmlischen Sphären, in denen er ebenfalls seit Anbeginn der Schöpfung „eingepflanzt“ oder verwurzelt ist.

Für den Vorgang des zyklischen Kommens und Gehens[3] werden viele Metaphern bebraucht, so auch das Bild eines Durchgangs, einer Verbindungstür oder Pforte zwischen Jenseits (Himmel) und Diesseits (Erde). Wenn die Menschenseele die geistige Welt verlässt, wird sie im Irdischen geboren und willkommen geheißen. Verlässt sie die irdische Welt durch dieselbe Tür, wird sie von den Hierbleibenden verabschiedet – sie „stirbt“ für die Welt – und wird in der geistigen Welt wiedergeboren. So verhält es sich auch mit dem Vorhang, der Zusammengehöriges trennt und in zwei Seiten spaltet – in ein Vorher und ein Nachher, in Hier und Dort, Inneres und Äußeres, Ich und Nicht-Ich, Sichtbares und Verborgenes.  


Schöpfung als Fortdauer (Sein) und Entwicklung (Werden)



Das Verlassen und die Trennung sind nur scheinbar. Es gibt nur eine Welt, einen Raum. Es gibt keine Trennung von Himmel und Erde, Geist und Materie. Auch der irdisch erscheinende Mensch als Mann oder Frau ist und bleibt innerlich verbunden mit dem Archetyp Mensch, dem höheren Menschen des Ursprungs, der als Urbild das Ganze ist: Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Der ganze Mensch ist im Irdischen wie im Himmlischen verwurzelt. Er ist ein Kind von Himmel und Erde und trägt das Archetypische von Yang und Yin in sich.

Einerseits ist der Archetyp Mensch seit Anbeginn der Schöpfung eine vollkommene Schöpfung in Einheit mit dem Schöpfer, kann sich als solche ständig neu erschaffen und sorgt auf diese Weise für einen andauernden Schöpfungsprozess. Andererseits geschieht mit dem SEIN auch das WERDEN, die Entwicklung, wenn der Mensch nach erfolgter Individuation die verstreuten Einzelteile wieder einsammelt und zum Ganzen zusammenfügt. Hiermit beginnt der Mensch in seinem Kindstadium des Geistes. Er ist Kind mit einem schöpferischen Potenzial unentfalteter Möglichkeiten, das alles noch vor sich hat und zu dem heranreift, was es bereits vom Ursprung her ist: ein Sohn oder eine Tochter des Himmels und der Erde – sprich ein ganzer Mensch.

Die Bestimmung des irdisch erscheinenden Menschen kann demzufolge nur sein, das ihm eigene innere Urbild als Sohn oder Tochter von Himmel und Erde zu verwirklichen. Er darf sein volles schöpferisches Potenzial entfalten und bedingungslos aus ihm schöpfen, sich bewusst wieder mit den göttlichen Ursprungskräften vereinen. Obwohl seit Ewigkeiten auf der Seinsebene mit dem Archetypus vereint, ist er auf der Entwicklungsstufe ein Kind des neuen, in ihn eingepflanzten Urbilds. Er ist sich der schöpferischen Anlagen seiner Ganzheitlichkeit noch nicht bewusst, ebensowenig der damit verbundenen Mündigkeit und Verantwortung. Die meisten Menschen sehen sich als Anhängsel und Produkt ihrer leiblichen Eltern und sind es auch; sie leben nur eine Hälfte ihres Daseins, die Verwurzelung im Irdischen. Zu den Urbildern (Archetypen) im Inneren und seinem schöpferischen Potenzial, sich selbst zu erneuern, hat der äußere Mensch keinen Kontakt, sehnt sich aber unbewusst danach.

So wie es äußere, leibliche Eltern gibt, gibt es Vater und Mutter auch als Archetypen im inneren, ursprünglichen Bereich des Menschen. als innere geistige Urgestalten. Es sind Himmel und Erde oder Yang und Ying. Sie entsprechen den zwei großen schöpferischen Urströmen im Menschen, dem Geist des elementaren und biologischen Lebens (Erde) und dem Leben des Geistes (Himmel). Geistig im Sinne von ursprünglich-archetypisch sind sie beide.

Hinter den Vorhang schauen

Aktiviert durch den aktuellen Neumond ist es also für die Menschheit an der Zeit, den Schleier zu lüften und auch das Hintergründige, Unsichtbare und bisher Unbewusste zu integrieren. Wenn es an der Zeit ist, ist der Mensch auch vorbereitet oder er wird durch das Geschaute und Erlebte vorbereitet.

Es heißt in den antiken Mysterien: Wenn ein sterblicher, das heißt ein unmündiger, unerwachter Mensch den Schleier der Natur (Isis) lüftet, wird er vom Geschauten so schockiert sein, dass er stirbt oder als Geistesgestörter den Tempel verlässt. Es kann aber auch vorkommen, dass ein neurotischer oder gemütskranker Mensch gerade durch die negativen, erschütternden Erlebnisse gesund wird oder seine Lebensweise radikal (an der Wurzel!) ändert.

Unserem täglichen Leben fehlt eindeutig die lebendige Beziehung zu unseren geistigen Ursprüngen. Es fehlt die bewusste Beziehung zu den Urbildern. Auch wenn wir sie leugnen, leben, wirken und existieren sie – sowohl innen als auch außen. Es mangelt dem Menschen an tieferen und höheren Bewusstseinszuständen. Es mangelt an Selbsterkenntnis und vor allem am inneren Halt in dieser rasenden Zeit des Wandels und der Beschleunigungen.


Wie steht es mit unserer himmlischen und irdischen Verwurzelung, mit der Verwirklichung der inneren Urbilder von Vater und Mutter?  Sind wir uns bewusst, dass wir Götter sind? Sind wir uns unserer wahren Herkunft und geistigen Urbilder bewusst? Sind wir bereit, als Persönlichkeit und Individuum zu sterben – als Produkt unserer Rasse, unserer Kultur und leiblichen Ahnen – und das Urbild des schöpferischen Menschen zu verwirklichen?  


Im nächsten Eintrag untersuche ich das Bild der Isis – mit und ohne Schleier.
Sundra

 Alle Bilder (C) Sundra


[1] Dane Rhudhyar: Astrologischer Tierkreis und Bewusstsein, Hugendubel Verlag, München 1984
[2] Hilble, Johann: Faszination Geburtszeitkorrektur, Books on Demand ISBN 3831104042
 [3] Inkarnation (Fleischwerdung), Kreislauf von Tod und Wiedergeburt

Freitag, 22. Oktober 2010

23.10.10 WAAGE-VOLLMOND - noch einmal kardinal



VOLLMOND am 23.10.2010 3.37 h MESZ
Lg. 8°34’ O Br. 51°24’ N
SONNE 30° Waage – MOND 30° Widder


Es ist der zweite Vollmond in diesem Jahr auf der WIDDER-WAAGE-Achse (siehe 23.9.10 Vollmond zur Tagundnachtgleiche), da der erste sich auf dem 1. Grad der beiden Zeichen und dieser Vollmond 28 Tage später sich auf dem letzten Grad ereignet.

Die SONNE befindet sich in Konjunktion mit MERKUR im SKORPION, wodurch nun alle merkurischen Angelegenheiten ins helle Licht der Erkenntnis und Klarheit gestellt werden: Verkehr, Vermittlung und Verbindung, innere und äußere Kommunikation, Übermittlung von Wissen, Lernen, Schreiben, Networking. Der Verstand bzw. das intellektuelle Verständnis (Merkur) ist Brückenbauer und Mittler zwischen Sonne und Mond, Persönlichkeit und Seele. Die Leichtigkeit und Neutralität des Denkens wandelt sich im fixen Wasserzeichen zu einem tiefgründigen Forschen, Bohren und Sezieren, zum Hinterfragen und Offenlegen von geheimen Machenschaften (z.B. Wissen als Machtfaktor), im eigenen Denken wie im Außen. Mit zäher Ausdauer und ehrgeizigem Streben können Spannungen ausgeglichen, Konflikte und Widersprüche gelöst und harmonische Beziehungs-Strukturen aufgebaut werden. Die SATURN-Stellung bringt Licht in diese Angelegenheiten.

SATURN in der Waage sei hier vorweg erwähnt, da er in einer besonderen Stellung als einziger Planet auf der Ich-Hälfte des Horoskopbilds steht. Er ist der Strukturgeber, bestimmt und erhält die Strukturen – so auch unseren kleinen Ententeich. Und er zeigt mit dem Finger auf unseren derzeitigen schwachen Punkt: Es sind Probleme zu erwarten bei der Übermittlung von Wissen in den dafür vorgesehenen Bildungseinrichtungen (sprich Schulen, Universitäten). Das Verhältnis von Lehrenden und Lernenden ist unausgeglichen und destruktiv. Es gibt Überlegene und Unterlegene.
Ein Professor oder Lehrender sollte fähig sein, der jüngeren Generation das angesammelte Wissen der Vergangenheit zu übermitteln. Doch um den Erfordernissen der unruhigen oder turbulenten Jugend gerecht zu werden, muss der Lehrende auch gleichzeitig in der Lage sein, über sein Wissen hinweg zu blicken und seine Studenten als Menschen zu sehen. Junge Menschen brauchen ANLEITUNG und sie brauchen menschliche VORBILDER. Sie brauchen keine Lehrfachspezialisten, die ihnen reines Buchwissen eintrichtern. Wahre überlegene Mittler von Wissen und Erfahrung (die Lehrenden) sind in der Lage, mit weniger weit entwickelten Wesen zusammen zu arbeiten, ihnen gütig zu begegnen, sie anzuleiten und zu schützen – auch vor Stress und Leistungsdruck.
In diesem gesellschaftlich-kulturellen Bereich liegt die derzeit größte Lernaufgabe.

Mit diesem Vollmond begrüßen wir die neue Chance, die Energien und Qualitäten der kardinalen Feuer- und Luftzeichen in ein harmonisches Verhältnis zueinander zu bringen und für unsere Aufgabenbewältigung weise zu nutzen. Hier noch einmal die Thematik der Widder-Waage-Achse.
Es ergänzen sich der Macher und der Denker, Ich und Du, männlich und weiblich, spontanes Handeln und abwägendes Denken, die Handlungsfreude und die nötige Weisheit. Im Buch der Wandlungen findet sich das entsprechende Zeichen 55 Fong, die Fülle: innen Klarheit und außen energische Bewegung. Ein starker Wille setzt sich durch und macht durch gezieltes Handeln auf sich aufmerksam. Selbstbeherrschung ist nötig, um den blinden Aktionismus zu zähmen. Mit kleinen taktischen Schritten wirken, denen auch die anderen folgen können, denn das gemeinsame Gehen ist wichtig. Auf das Demonstrieren von Macht und Stärke darf verzichtet werden, denn es hinterlässt immer Opfer, Leid und einen Teufelskreis an bindenden emotionalen Beziehungen. Die Stärke der überzeugenden Wahrheit liegt in ihrer Sanftmut und wird auch vom Schwächsten ohne Furcht akzeptiert und geschätzt. Erst dann können die größten Ziele und Visionen realisiert und Wirklichkeiten erfolgreich umgestaltet werden.
Bei einem derart ausgewogenen Kräftepotenzial (Widder-Waage und deren Herrscher Venus-Mars) fließen die kosmischen Energien ungehindert der konkreten Materiewelt zu (Erdezeichen, Saturn), finden Anerkennung und Würdigung, wodurch die Grundlage für eine Umgestaltung und Veredelung der Welt gegeben ist.
Wenn wir uns das Sabische Symbol des Widder-Monds ansehen, finden wir diese Aussage bestätigt.

MOND auf 30° Widder:
Ein Ententeich mit kleinen Entchen.
Schlüssel: Erkenntnis der natürlichen Grenzen.



Der Lebensspielraum „kleiner Ententeich“ (oder ist es ein Goldfischglas?) symbolisiert unseren „kleinen“, überschaubaren, begrenzten Handlungs- und Wirkungskreis, für den wir verantwortlich sind, der unserem Schicksal und Dharma entspricht. Auch wenn wir bereits für eine begrenzte Zeit in die Harmonie der Sphären eintauchen oder transzendente Erlebnisse und Einblicke in eine höhere Ordnung haben durften, müssen wir immer wieder zurückkehren auf die Erde, zu unserer irdischen Aufgabe in einem bestimmten gesellschaftlichen Rahmen und Umfeld (like „two lost souls swimming in a fish bowl …“).

Gemessen am galaktischen Weltenmeer erscheint unser Aktionsradius so winzig wie ein Ententeich. Und doch muss genau hier – in dem Raum, in den das Schicksal (Geschick) uns hineingestellt hat – die Substanz zum konkreten Handeln gefunden werden. In unserem begrenzten Lebensspielraum erfahren wir Ursache und Wirkung, säen und ernten, haben unsere Vision von einer höheren Harmonie auf unser eigenes karmisches Wirkungsfeld herunter zu bringen und zu verwirklichen.
Wir haben die Möglichkeit, den Mikrokosmos nach unseren Bedürfnissen zu gestalten und in Übereinstimmung mit unseren Begabungen zu handeln. Denken und handeln wir authentisch, vor allem unter Berücksichtigung unserer natürlichen Grenzen, erreicht uns auch die Harmonie der großen kosmischen Ordnung (des Makrokosmos), schenkt uns Frieden, innere Zufriedenheit und Fülle und großes Vertrauen in unser Schicksal.

Auf der gegenüber liegenden Seite im Tierkreis befindet sich die Sonne auf dem letzten Grad des Luftzeichens Waage.

SONNE auf 30° Waage:
Drei Wissenshügel auf dem Kopf eines Philosophen
Schlüssel: Die Erfüllung der menschlichen Kraft des Verstehens, ganz gleich auf welcher Daseinsebene die Person tätig ist.



Etwas für Schädelforscher (Phrenologen)? Ich denke dabei gleich an Trismegistos (den „dreimal Großen“), den griechischen Gott Hermes in seiner Verschmelzung mit dem alt-ägyptischen Thoth. Er soll zugleich der größte der Philosophen, der größte Priester und größte König gewesen sein (Wikipedia)*. Auch im Denken finden wir eine dreifache Funktion: abstraktes Denken, materiell konkretes Denken und die Intuition. Die Zahl Drei zeugt von Spannung, Dynamik, Rhythmus und bringt Schöpferkraft zum Ausdruck. Die Dreiheit deutet auf Vollständigkeit und Vollendung hin, bringt Lösung und neues Strömen. Vor allem ist sie das Element unseres Willens, der Idee, und die Frucht (das Kind) der Vereinigung der Zwei (Mann & Frau, Sonne & Mond).
Auf diese Einheit der Drei weist auch die Vollmond-Konstellation hin: Sonne – Mond – Merkur als Vater – Mutter – Kind. Die Gottheit erscheint häufig in dreifacher Gestalt, als Trinität. Wo die DREI auftaucht, geschieht etwas, kommt die Energie in Fluss, gewinnt das Leben Richtung, wird wie beim Dreieck etwas auf den Punkt gebracht.

Ein Philosoph („Freund der Wahrheit“) ist ein Denker, der die Wahrheit, das Schöne und Gute liebt und begehrt (so Platon in seinem Symposium / Gastmahl). Sein Kopf ist kein Speicherplatz für Lexikon-Wissen sondern zeigt „drei Wissenshügel“, die auf ein reifes, vollendetes Verstehen hindeuten. Erfahrene Lebensprozesse werden von zwei Seiten angeschaut und durchleuchtet, bis sich im schöpferischen Prozess die Frucht des reifen Verstehens zeigt - als Weisheit, gepaart mit Liebe und Güte. Ein Philosoph ist ein Mensch der Weisheit, seine Einstellung zum Wissen ist holistisch - im Unterschied zum Menschen der Wissenschaft, der sein Wissen vermehren und erweitern will. Philosophisches Verstehen ist an keine akademischen Titel und erfolgreiche Lehr-Abhandlungen gebunden. Weisheit und Güte sind die Früchte reifer Erkenntnis aller Beziehungen im Universum.
In dieser Erkenntnis liegt der Sinn der Vollmond-Konstellation auf dem letzten Grad von Widder und Waage. Aufgrund des Transzendierens von Widerspruch und Gegensatz und mit der Erkenntnis der geistigen Verbundenheit von allem ist der Mensch reif für die wirkliche Kommunion, für die Vereinigung mit dem Nicht-Ich oder einem größeren Selbst.

MERKUR auf 4° Skorpion
Ein Jugendlicher trägt eine brennende Kerze (zu einem frommen Ritual).
Schlüssel: Die erzieherische Kraft von Zeremonien, die die großen Bilder einer Kultur auf die versammelten Teilnehmer übertragen.


Wir befinden uns im fixen Wasserzeichen Skorpion, wo die Ichgrenzen zugunsten kollektiver Verbindungen und Gruppen teilweise oder ganz überschritten werden. Mit leidenschaftlichem Engagement stellt der Mensch seine Kraft in den Dienst der Gemeinschaft, erfährt ein Eingebundensein und tiefe emotionale Verbundenheit, die durch gemeinsame Rituale immer wieder aufs Neue gestärkt und gepflegt wird – bis zu einem Zeitpunkt, wo der Mensch einen Anspruch auf Individualität geltend macht und alle traditionellen Rituale, die ihn an die bisherige Gemeinschaft gebunden haben, von sich weist… als ein Akt der Befreiung und Loslösung… vielleicht auch nur zu dem Zweck, sich anderen Vereinigungen und ihren Ritualen zuzuwenden.

Das Ritual wird hier als eine Methode zum Aufbau einer Gefühlsgemeinschaft gezeigt. Jeder von uns kennt die emotionale Kraft von Symbolen und kollektiven Zeremonien, kennt ihren erzieherischen und prägenden Einfluss auf das Leben des Einzelnen, ganz gleich, ob es sich um die sonntägliche Zeremonie von Gottesdiensten oder Fußballspielen handelt, um eine Parade und Ehrung für Kriegshelden oder die großen zyklischen Jahresfeste. Das gemeinschaftliche Tun stärkt sowohl den Einzelnen als auch die ganze Gruppe. In gemeinsam gestalteten und erlebten Rituale fühlen sich alle Teilnehmer eins. Kinder und Jugendliche zeigen meist großes Interesse an den Demonstrationen kollektiver Wertvorstellungen. Sie werden im Denken und Fühlen von den Symbolen geprägt, füllen mit Begeisterung ihren Platz aus, werden selbst angefüllt mit großen, erhabenen Bildern, fungieren als Bild- und Lichtträger im Dienst eines größeren Ganzen.

Unser Leben ist von Übergängen und ihren Ritualen geprägt: Geburt, Taufe, Schuleintritt/ Austritt, Erwachsenwerden, Eingehen und Lösen von Verpflichtungen / Aufgaben, Hochzeit, Jubiläum, Initiationen und Weihen aller Art, Berufswechsel, Identitäts- und Rollenwechsel, Pensionierung, Trennung, Abschied. Die meisten dieser Rituale werden in der Gemeinschaft mit anderen gefeiert und gestaltet, sie helfen dem Einzelnen beim Loslassen des alten Lebensabschnitts, bei der Neu-Orientierung, geben Kraft für den neuen Zyklus, den nächsten Schritt. Sinn und Kraft von Ritualen / verwendeten Symbolen / rituellen Objekten liegen darin, eine tiefe Glaubens- oder Gefühlsgemeinschaft aufzubauen, die alle Teilhabenden an der Wurzel ihres Wesens eint.


Es ist an der Zeit, in Schulen und Universitäten neue Strukturen und Rituale einzuführen, die vom guten Willen zu harmonischen Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden zeugen. Es ist auch an der Zeit, dass in den neuen Bildungs-Strukturen Raum ist für gütige, weise und lebenserfahrene Menschen, die den ihnen anvertrauten heranwachsenden Menschen neben Wissen auch menschliche Werte vermitteln können - durch ihre reine Anwesenheit und Authentizität.

Brilon, 22. Okt. 2010
Sundra Kanigowski

Auf 30° Widder befindet sich mein Dharma-Punkt (Halbsumme SO/MK)mit dem Symbol des Ententeichs.
;-)