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Sonntag, 4. Oktober 2015

I Ging: Was bedeutet der Migrantenstrom nach Europa für die Menschheit und die Welt?



Meine neu formulierte 2. Frage an das I Ging lautet nun:
Was bedeutet der Migrantenstrom nach Europa für die Menschheit und das Weltgeschehen?
   
Hex. 40 HIE  Die Befreiung, 2. Linie



Nach der Wandlung durch die Neun auf 2. Platz entsteht Hex. 16 YÜ  Die Begeisterung
Das Zeichen 40, Die Befreiung rät, sich von äußeren und inneren Hemmnissen zu befreien – unverzüglich: „Wenn noch Reste aufzuarbeiten bleiben, so gilt es, das so schnell wie möglich zu tun, damit reiner Tisch gemacht wird und keine Verzögerungen eintreten.“

Die Bewegung geht aus der Gefahr heraus. Gefahr ist angezeigt durch das obere Zeichen Donner (Dschen) und das untere Zeichen Wasser oder Gefahr (Kan). Die Gefahr regt zur BEWEGUNG an, und durch Bewegung kommt man aus der Gefahr heraus. Das ist Befreiung. Gefährlich sind unsere starren Haltungen, die emotional verhärteten Strukturen zwischen Menschen, Ländern, Nationen, Religionen, usw. Gefährlich sind der trennende Egoismus, die Gefühlskälte, das Festhalten an destruktiven, karmischen Beziehungen und materiellen Werten, die schon längst keinen kreativen Zielen mehr dienen. Die Seele (unteres Trigramm Kan, Wasser) sucht die Anknüpfung an den Geist (oberes Trigramm Dschen, Donner). Es heißt: Rasches Handeln ist von Heil.

Universale Kräfte brechen nun mit Gewalt den angestauten Kräften Bahn und öffnen Wege zur Verwirklichung. Das Ziel ist die Befreiung… Befreiung aller Wesen von Druck, Gewalt und auswegloser Ohnmacht. Am Anfang der Befreiung mag die Energie noch ungerichtet und chaotisch fließen, mal hierhin, mal dorthin… doch schon bald zeichnen sich Bahnen ab, die eindeutig in die Zukunft weisen. Dann wird sich aus dem zufällig erscheinenden Strömen das neue Muster einer blühend schöpferischen Welt herausbilden. Denn für die angestauten und frei gewordenen Energien hält der kosmische Geist bereits sinnvolle Aufgaben, Pläne und Konzepte bereit.
Es heißt: Die Zeit der Befreiung ist wahrlich groß. Dieser Hinweis auf die Größe der Zeit befindet sich auch noch in anderen Zeichen und weist zusätzlich zum Wirken auf der profanen und weltlichen Ebene auch auf die transzendente Dimension hin. Das befreiende Wirken ist im kosmischen Sinne von herausragender Bedeutung und von Erfolg gekrönt.

Für die Menschen und die Gesellschaft der europäischen Staaten bedeutet der gewaltige und plötzlich hereinbrechende Zustrom an Migranten eine ebensolche Revolution und radikale Neuorientierung wie für die Flüchtlinge, die ihr Zuhause und allen Besitz verloren haben. Für alle gibt es eine radikale Veränderung der bisherigen Lebensumstände. Der Bruch mit hemmenden Strukturen aller Art, mit vertrauten, lieb gewordenen Formen, Gewohnheiten und Lebensinhalten ist notwendig geworden, auch der Bruch mit übernommenen Glaubenssätzen und hierarchische Strukturen. Die Befreiung erfordert unmittelbares Handeln – und wo es notwendig ist, auch einen tiefen Schnitt, um hoch aufgeladene, oft karmisch bedingte Beziehungsstrukturen zwischen Menschen, Gruppen und Völkern ein für allemal zu beenden.
Denn: Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstverwirklichung und freie Selbstentfaltung.

Zur Befreiung gehört die Vergebung. Unterdrücker und Unterdrückte sollten sich ihre Fehler verzeihen und sanft mit sich selbst und miteinander umgehen. Darum heißt es im Bild der Befreiung: So verzeiht der Edle Fehler und vergibt die Schuld. Wie nach einem reinigenden Gewitter wird die Luft nach der Befreiung der aufgestauten Kräfte wieder klar, der Blick frei für neue Perspektiven.

Die Neun auf 2. Platz bedeutet: „Auf dem Feld erlegt man drei Füchse und bekommt einen gelben Pfeil. Beharrlichkeit ist von Heil.“

Die falschen Füchse sind falsche Gedanken, eingefleischte Denkstrukturen/ Vorstellungen, die den Status quo erhalten wollen, die gegen Veränderung, Wandlung und Freiheit sind. Die hinterlistigen falschen Füchse in uns selbst sind die Vorstellungen, die unserem Selbstbild schmeicheln, die an unsere Eitelkeit und unseren Stolz appellieren und die sich vor das wirkliche Leben stellen. Diese Vorstellungen vom Leben erscheinen so schön logisch, praktisch und bequem. In Wirklichkeit sollen sie nur die Missstände, Fehler und das begangene Unrecht zudecken. Sie können uns / dem Volk / den Menschen einflüstern, dass alles so in Ordnung ist und wir so weitermachen können wie bisher.


Jetzt ist die Zeit, den eigenen Unmut zu entladen, zum Ausdruck zu bringen und sich vom inneren Druck zu befreien. Auf keinen Fall darf der innere Drang nach Freiheit und Selbstausdruck weiterhin unterdrückt oder verdrängt werden. Auch wenn eine radikale Veränderung nicht von allen erwünscht wird, ist sie doch notwendig geworden und kann nicht länger aufgeschoben werden. Alle berechtigten Ansprüche müssen angemeldet werden. Alles, was sich den Menschenrechten widersetzt oder entgegen stellt, wird beseitigt und verändert werden. Allein die Entschlusskraft zur Tat ist schon ein Akt der Befreiung und kann als Erfolg betrachtet werden.

Franciscus Adrian schreibt in seinem Buch „Die Schule des I Ging“ (Die Praxis)[1] zum Zeichen Befreiung: „Hier im Zeichen Befreiung gelingen dem Menschen des spirituellen Weges unbestechliche Blicke auf die ihn und andere Angehörige seiner Sippe betreffenden psychischen Übertragungssituationen und auf die eigenen seelischen Ritterrüstungen, die er sich zugelegt hat“. Die Befreiung geht noch über die genetischen Prägungen und Projektionen hinaus und betrifft Sphären tiefer karmischer Zusammenhänge zwischen einzelnen Menschen und Völkergruppen. Erst wenn die „emotionale Vergletscherung“ abgetaut ist, kann der Mensch sich und anderen wieder „gnädig gesonnen“ werden, seine seelischen Wunden heilen und die „negativ besetzten  Engramme in seinem Hirn löschen“.

Was hier geschieht, ist ein radikaler Wechsel von der Sphäre des Karma in die Sphäre der Gnade. Welch große Erleichterung für die Herzen!
Befreiung als Aufbruch zu neuem Wirken – unbelastet von altem Karma.
Befreiung zur Sanftheit, zum seelisch entspannten und seelisch befreiten Menschen, der sanft mit sich selbst und mit seiner Umwelt umgeht.

Der „gelbe Pfeil“ oder „goldene Pfeil“, den man während des Vorgangs der befreienden Maßnahmen erhält, ist ein Zeichen der inneren Ausgeglichenheit und des inneren Friedens (Nichtschießens). Er ist das Symbol für die erfolgreiche Arbeit an sich selbst, das Erreichen einer inneren Geradheit des Charakters. Der Träger des goldenen Pfeils ist ein vom Himmel Begnadeter, der eins mit seinem Zentrum und von jeglicher Ich-Verhaftung befreit ist. Der Hinweis auf die gelbe Farbe zeigt im I Ging die Beziehung zum Hexagramm KUN, Erde. Der Yang-Strich (die Neun) auf dem 2. Platz wandelt sich wieder in einen geteilten Yin-Strich und so entsteht als neues Hexagramm 16 DIE BEGEISTERUNG.

Auffällig ist bei beiden Fragen der Erhalt der 2. Linie als Wandlungslinie. Wofür steht der zweite Platz im gesamten Hexagramm? Er ist verwandt mit dem 5. Platz, da beide Plätze die mittlere Position ihres Wirkungsfeldes einnehmen: Platz zwei die Mitte des unteren Trigramms und Platz fünf die Mitte des oberen Trigramms. Das „Heil“ dieser 2. Linie im Zeichen Befreiung liegt in der Beharrlichkeit, in der Mitte zu bleiben.

Das Zeichen 16 Die Begeisterung zeigt eine Bewegung, die beim Volk (den Massen) auf Hingabe stößt, die mitreißend und begeisternd wirkt. Es ist eine Bewegung, die aufrichtig und gerecht ist, die im Volksempfinden ihre Wurzeln hat und in Übereinstimmung mit der Volksseele ist. Als solches kann die Bewegung mit dem Bild eines Heeres verglichen werden, das in Marsch gesetzt wird  - für eine gute und gerechte Sache. Die Bewegung wird vom ganzen Volk unterstützt, findet überall helfende Hände. Hier wirkt jetzt die Dynamik einer gelenkten Willens- und Überzeugungskraft, die in Überstimmung mit dem kosmischen Rhythmus wirkt und von den Massen getragen wird. Sie ist stark genug, die Welt zu bewegen und kennt nur ein Ziel: den Sieg über die Trägheit und die Starre der Materie.

Dieses Zeichen ist ein echtes Indiz für eine großartige Bewegung und eine große Idee, die alle gesellschaftlichen Kräfte mobilisiert. Sie markiert den Beginn einer neuen Zeit, den Anfang einer neuen Welt und einer gewandelten Menschheit. Ihr Erfolg ist im kollektiven Karma bereits angelegt und muss nur noch verwirklicht werden. Die Handlungsweise in Zeiten der Begeisterung folgt den Geboten der Rechtschaffenheit. Es heißt: Die Zeit der Begeisterung beruht darauf, dass ein bedeutender Mann da ist, der in Fühlung mit der Volksseele ist und in Übereinstimmung mit ihr handelt. Er kann die anonyme Masse der Menschen mit ihrer Kraft, ihren Talenten und Fertigkeiten in konstruktive Bahnen lenken und findet für die Realisierung überall tüchtige Gehilfen.

Das BILD der Begeisterung zeigt den Donner (Dschen), der im Frühling aus der Erde (Kun) hervortönt. Die elektrische Kraft des Gewitters löst die alten Spannungen, reinigt die Atmosphäre, erfrischt die Natur, Knospen brechen auf. Die Herzen sind erleichtert und Freude entsteht. Eine ähnliche Kraft der Begeisterung hat auch die Musik: So machten die alten Könige Musik… und brachten sie herrlich dem Höchsten dar… luden ihre Ahnen ein…

Musik hat die Macht, die dunklen Gefühle und Spannungen im Herzen zu lösen. Sie kann die Moleküle zum Tanzen bringen und neu organisieren und auch die Menschen wieder in Einklang mit dem Weltganzen und dem kosmischen Rhythmus bringen. Musik hat die Kraft, die Gefühle der Menschen zu reinigen, die unterschiedlichen Menschen zu einen und auf gemeinsame Werte und Ziele einzustimmen. Es ist hier die Rede von sakraler Musik und einem gemeinsamen Gottesdienst, der die Menschen in ihrem Göttlichsein eint.

Literatur:
Das I GING Das Buch der Wandlungen – Aus dem Chinesischen übertragen und herausgegeben von Richard Wilhelm, Diederichs Verlag
Norbert A. Eichler "Das Buch der Wirklichkeit", Das I Ging für das Wassermann-Zeitalter, rororo tranformation, 1990
Franciscus Adrian "Die Schule des I Ging", Band I und II, Diederichs

Quelle der Hexagramm-Zeichen:
Alle I Ging Hexagramme von Ben Finney. Lizenziert unter Attribution über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Iching-hexagram-20.svg#/media/File:Iching-hexagram-20.svg



[1] Diederichs Verlag, 1995

Samstag, 3. Oktober 2015

Orakel: Was bedeutet der Migrantenstrom für Europa?



Was bedeutet der Migrantenstrom für Europa?
(Wandlungen, Herausforderungen und Möglichkeiten für Europa…)





20 GUAN  Die Betrachtung (Der Anblick), 2. Linie
     

Wandlung der 2. Linie führt zu: Hex. 59 HUANG Die Auflösung

Das Zeichen 20 "Die Betrachtung" fordert zur Betrachtung und meditativen Schau auf, um durch den Schein zum Sein vorzudringen. Es geht hier um Ein-Sichten und deren Weitergabe. Wer Belehrung spenden will oder gar Entwicklung, Zukunft und Schicksal vorhersagen will, braucht eine weise Über-Sicht über das Ganze. Sie wird gewonnen durch innere Sammlung (äußere und innere Schau) und Zusammenarbeit mit den göttlichen Lebensgesetzen.

Bezogen auf die menschliche Gesellschaft sind die kreativen geistigen Fähigkeiten ihrer Mitglieder gefragt, eine Bestandsaufnahme der materiellen Struktur der Gemeinschaft vorzunehmen, um ihre Bedeutung und Möglichkeiten klar zu erkennen… vielleicht um aus einer ungeordneten Ansammlung von Menschen ein kultiviertes Zusammenleben mit Zielen und Inhalten zu machen. Dazu gehört ein klares geistiges Erfassen aller Gegebenheiten und Notwendigkeiten.

Die Sechs auf dem 2. Platz bedeutet:
Betrachtung durch die Türspalte. Fördernd für die Beharrlichkeit einer Frau.


Sogleich erkenne ich die beschränkte subjektive Sichtweise dieser Fragestellung. Wie kann ein Mensch, der sich mit einer Staatsangehörigkeit und einem Land identifiziert – ein Deutscher, ein Franzose oder auch ein Europäer – ganzheitliche (globale, kosmische) Strömungen oder die notwendigen evolutionären Schritte der Menschheit erkennen und verstehen?  

Als Bild wird die Sichtweise einer Frau gezeigt, die durch einen kleinen Türspalt von innen nach außen lugt. Die Frau ist in der Symbolik immer ein Symbol für innere psychische Angelegenheiten und steht hier für das Subjektive, für den persönlichen Geschmack, für gefühlte Vorlieben und Abneigungen. Gefühle und psychische Konditionen vermitteln keine Einsicht. Als Deutscher, Franzose oder Europäer beziehe ich alles auf mich selbst, bin um mein Land, meinen Besitz, meine Arbeit, meine Zukunft besorgt. Als Deutsche (Gruppe, Nation) sind wir wie „Hausfrauen“ nur um die eigene nationale Sicherheit, um unsere materielle Nahrung und Versorgung in der Zukunft besorgt. Doch wir können uns nicht in die Beweggründe anderer Völker hinein versetzen und haben von den großen Weltzusammenhängen keine Ahnung. Ein Interesse oder gar eine Sorge um Deutschland oder Europa entspricht aus der Sicht des Orakels einer sehr engen, egoistischen Betrachtungsweise, die nur um das eigene Wohl bedacht ist.

„Nur der klare Verstand und die Gedanken eines unbewegten Geistes erfassen das Wesen der Dinge. Alles sonst ist subjektive Lust, Vorliebe und Abneigung, ohne Bedeutung für andere und die Welt.“[1]

Darum entsteht auch als 2 Zeichen der Wandlung Hex. 59 Die Auflösung. Es geht hier um Auflösung von Selbstsucht, Verhärtung und trennenden egoistischen Gedanken in den mitmenschlichen Bindungen. Das geschieht durch religiöse Kräfte, durch Feiern von gemeinsamen Gottesdiensten, durch Spenden und Opferungen und gemeinsames Musizieren und Singen. Denn wo ein Austausch mit anderen nicht mehr möglich ist, isoliert sich der Mensch auch von den kosmischen Kräften und Strömungen, und selbst die stärkste Persönlichkeit wird nicht bestehen können. Die kosmischen Gesetze des Daseins fordern und fördern die Veränderung, das Fließen, die Kommunikation und den Austausch der Kräfte. So ist auch materieller Besitz eines einzelnen Menschen oder eines einzelnen Landes, der nicht dem Wohlstand aller Menschen dient, ein Hemmnis, das nur durch „Verlust“ abgetragen werden kann. Durch die notwendig gewordenen Veränderungen und Auflösungstendenzen werden die Schatzkammern der Länder wieder der Allgemeinheit zugeführt.  

Die Mühlen des Kosmos mahlen zwar langsam, doch sie mahlen gründlich. Wer die kosmische Energiezufuhr (Uranus in Widder, Neptun in den Fischen) nicht kanalisiert und weitergibt, sondern nur in der eigenen Person bzw. im eigenen Land anstaut, wird vom kosmischen Organismus als Hindernis erlebt und aufgelöst (Pluto im Steinbock). Eine Gesellschaft, die nur die materielle Bereicherung, den Konsum und die Nahrungssuche als verbindendes Element kennt und ihre ideelle und ethische Grundlage verloren hat, hat auch ihre kosmische Daseinsberechtigung verloren. Sie wird sich selbst sprengen und vernichten. Darum heißt es im Orakel zu Hex. 59 Die Auflösung:

„Gib, bevor man dir nimmt, spende, was du nicht halten kannst. Es war durch dich für die Welt bestimmt. Verlasse das Haus, das dich nicht nährt, den Beruf, die Menschen, die dich am freien Atmen hindern. Hindere selbst niemanden, behalte nichts für dich. Was du leichten Herzens aufgibst, kommt zum erleichterten Herzen zurück.“

Darum formuliere ich im nächsten Blog die Frage neu.
Was bedeutet der Migrantenstrom nach Europa für die Menschheit und das Weltgeschehen?

... geschrieben am 3.10.2015, dem Tag der deutschen Wiedervereinigung (vor 25 Jahren)
Sonnenstellung 10° Waage mit dem Sabischen Symbol: "Nach Überwindung enger Stromschnellen erreicht ein Kanu ruhige Gewässer".  Auch Merkur-Grad (As-Herrscher) im Finsternishoroskop für Berlin/D.



[1] Norbert A. Eichler „Das Buch der Wirklichkeit“, Das I Ging für das Wassermann-Zeitalter, rororo transformation, 1990


Quelle der Hexagramm-Zeichen:
Alle I Ging Hexagramme von Ben Finney. Lizenziert unter Attribution über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Iching-hexagram-20.svg#/media/File:Iching-hexagram-20.svg

Sonntag, 24. Mai 2015

Traumdeutung mit den Sabischen Symbolen



Orakelbefragung wegen eines Traums
Eine Frau bittet mich um Rat wegen eines Traums, der sie innerlich sehr aufgewühlt hat.

Sie blickt durch zwei Fenster (die Augen) auf einen Hof, in dem drei Fahrräder und ein lebendiger Esel mit zugebundenem Maul „abgestellt“ sind. Zum Esel, dessen Maul mit einem blauen Tuch zugebunden ist, assoziiert sie gleich „Maul halten“. Während sie im Traum am rechten offenen Fenster mit Blick auf den Esel steht und mit der Freundin telefoniert, befreit sich der Esel plötzlich mit einem nicht enden wollenden lautstarken „Iaaaah!“ von dem Tuch. Die Frau versteht nichts mehr am Telefon und hält lachend dem Esel den Hörer hin. Das Telefon in ihrer Hand vibriert. Sie spürt die große Kraft und Bedeutung des Traums, weiß ihn aber nicht mit dem Verstand zu deuten und formuliert die Frage
 „Was will mir der Traum sagen?“

Bei der Bitte um eine Zahl kommt spontan die 412. Da diese Zahl größer ist als die Gradzahl des Kreises, ziehe ich 360 von 412 ab und erhalte 52. Innerhalb des 360° Kreises ist dies die Stelle von 22° Stier. Ich suche im Buch „Astrologischer Tierkreis und Bewusstsein“ * das Sabische Symbol zu 22° Stier:

Eine weiße Taube fliegt über aufgewühlten Wassern
Schlüsselsatz: Spirituelle Inspiration kommt dem Individuum in der Überwindung der Krise.

Im Erfahrungszyklus des ganzen Tierkreises befindet sich der Mensch an dieser Stelle (22° im Stier) in der emotionalen und kulturellen Erfahrung der Individualisierung. Er verlässt sich nicht mehr auf die Führung des Kollektivs und seines Kulturkreises, sondern einzig und allein auf die innere Führung. Er hört auf die innere Stimme, gehorcht den Anweisungen einer höheren Kraft, bildet eigene Werte aus und festigt sie. Er unterwirft sich nicht den Normen und Werten seiner Gesellschaft, gerät dadurch in eine Krise und in die Isolation. Das Symbol der Taube verheißt die Überwindung der Krise, wenn ihr der Mensch im rechten Geist begegnet, wenn er seine geistige Einstellung in dieser Sache überprüft und gegebenenfalls korrigiert.

Die weiße Taube, ein Symbol des Friedens, erscheint über den emotional aufgewühlten Wassern dieser Frau. Die Frau hat die inspirierende Botschaft der Taube (des Geistes) noch nicht für sich entdeckt. Sie fühlt sich seit vielen Jahren an eine unbefriedigende Situation gebunden, in der ihre Werte scheinbar nutzlos brach liegen, in der sie sich unverstanden und ausgeschlossen fühlt.

Ihr Leben gleicht dem im Hof abgestellten Fahrrad (Drahtesel) oder dem alten Esel, der nicht mehr gebraucht wird. Sie hält bewusst einen sehr großen Anteil ihrer Lebenskraft und Ursprünglichkeit zurück, um den Bogen des Andersseins nicht zu überspannen und Leid und Isolation in einem erträglichen Maß zu halten.

Die Anpassungszwänge und die gewaltsame Unterdrückung der natürlichen Instinkte machen sich auch körperlich bemerkbar. Im Gespräch überwältigt sie immer wieder das Mitgefühl für den laut schreienden Esel, ihren Körper… bis sie selbst erkennt, dass die Einstellung zu ihrem Körper eine sehr beherrschende ist… wenig verständnisvoll… eher unterdrückend. Das Traumbild vom zugebundenen Maul des Esels spiegelt ihre Beziehung zu diesem Körper-Gefährt(en), dem sie jegliche Äußerung untersagt.

Der Kollektivbezug - Esel und blaues Tuch
Blau ist die Farbe der Ruhe und Stille. Die Frau hat dem Körper verboten, sich zu äußern – und das schon seit vielen Jahren…. seit sie in einer westfälischen Kleinstadt wohnt, deren illegales Wappentier der Esel ist. Beim traditionellen Schnadezug (Grenzbegang) tragen die Männer das blaue Tuch um den Hals und führen die Eselin Huberta mit sich.

http://www.brilon.de/stadtbrilon/stadtportraet/schnad/schnade11.php

https://www.brilon.de/kultur-freizeit-tourismus/der-briloner-schnadezug/vom-illegalem-wappentier/

Die Symbole ihres Traums zeigen den kollektiven Bezug und ihr Problem damit als Individuum. Es ist ihre Erfahrung, dass ihre Stimme in dieser Umgebung nicht gehört wird und ihre Ansichten nicht gefragt sind. Trauer, Wut, Verbitterung und viele andere Gefühle hat sie in ihrem Körper gespeichert.


Das Symbol des Esels
Wie nun, wenn der Körper als eigensinniger Esel um den EIGENEN SINN weiß, wenn er den Weg kennt und ebenso die lauernden Gefahren spürt und ihnen aus dem Weg geht?! Die innere Führung geschieht instinktiv über den Körper. Er tut in jedem Moment das richtige: er geht, er steht, er sitzt oder er liegt, er bewegt sich von hier nach dort – er ruht, er richtet sich auf, er ist still oder er äußert sich. Ganz einfach. Das geschieht alles instinktiv, ohne den kontrollierenden Verstand. Wie beim Esel. Von ihm werden wir durchs Leben getragen. Der Esel ist hier ein Symbol des Körpers. Er ist der Träger unseres Bewusstseins, unserer Gedanken und Gefühle. Er trägt uns sicher durchs Leben.

Die Frau erkennt: Die Wende und erlösende Befreiung kommt durch die Wiedereinbeziehung des Esels, ihren vitalen Lebensgefährten, und nicht durch den im Hinterhof abgestellten Drahtesel. Der in seinen Äußerungen unterdrückte Lebensgefährte hat plötzlich die Kraft, sich lautstark mit der ihm eigenen Stimme zu äußern. Hinter der Stimme steckt so eine gewaltige Kraft, dass sich das gebundene Tuch löst – und damit auch die dahinter verborgene Vorstellung, er habe ihr nichts zu sagen.
Was der Frau fehlt, ist die rechte Einstellung zu ihrem Körper und zum Weg. Die Taube übermittelt hier die Botschaft des Friedens zwischen der Frau und ihrem Körpergefährten, dem Esel, der sie durchs Leben führt. Einsicht, tiefe Reue und Mitgefühl lösen heftige Reaktionen im Körper der Frau aus. Sie schluchzt: Eigentlich will sie die Sprache ihres Körpers verstehen, möchte seiner Stimme vertrauen können in jeder Situation.

Die Botschaft der Taube

Spontan fallen ihr noch zwei Träume ein, in denen die Taube über die Kraft der Verwandlung verfügt. Die Taube symbolisiert die Kraft, die einem Wesen, einem Projekt oder einem Problem Flügel verleiht und ihm damit zum Aufstieg auf eine höhere Ebene verhilft. Die Träumerin erzählt von der Bedeutung des spirituellen Weges, der für sie mit dem Aufsteigen und Leichtwerden zusammenhängt, dem Abwerfen von Ballast, zu dem aus ihrer bisherigen Sicht eben auch das Körperliche gehört.

Im Gespräch wird der Frau klar, dass ihre jetzige scheinbar festgefahrene Lebenssituation keine existenzielle Bedrohung für sie beinhaltet, sondern eine Chance ist, an dieser spirituell zu wachsen und dazu gehört auch die Verfeinerung ihrer Wahrnehmung für die Bedürfnisse und Äußerungen des Körpers. Die Botschaft der Friedenstaube hat sie mit nach Hause genommen. Sie schenkt ihr Kraft und Ausdauer sowie die Gewissheit von Bedeutung und Sinn ihrer eigenen Situation. Und eine neu entdeckte Liebe nimmt sie auch mit nach Hause – die Liebe zu ihrem Körpergefährt(en) im Symbol des Esels, dessen Wirklichkeit und Weisheit sie am eigenen Leibe erfahren darf.

Dies ist ein Beispiel für die lebendige Wandlungs- und Erkenntniskraft von Symbolen – hier den Traumsymbolen und den SABISCHEN SYMBOLEN – wenn wir uns für sie öffnen und die richtige (d.h. angemessene) Stellung ihnen gegenüber einnehmen


* Dane Rudhyar Astrologischer Tierkreis und Bewusstsein
Eine Interpretation der 360 Tierkreisgrade
Kailash Buch, Verlag Hugendubel, 1993






Freitag, 6. November 2009

30.10.09 Lange Orakelnacht in Brilon


Hier geht's ins Orakelstudio.



Das ist die Ankündigung zur "Langen Orakelnacht" in der Galerie "Ex-Pan-Vision". Ich hatte 14 große Kerzen und 28 kleine Teelichter aufgestellt, die Galerie gemütlich eingerichtet zum Sitzen und sogar noch vorher den großen schwarzen Chefsessel bemalt.

Bis 22 Uhr saß ich wie Santa Lucia inmitten meiner Kerzen, während draußen der Besucherstrom durch die Fußgängerzone flutete und Oliver mit seinen Fantasiegestalten die Fotografen anlockte. Doch dann kamen die Gäste - aus Brilon und sogar aus Arnsberg. Ich durfte orakeln... bis nach Mitternacht.
Ich danke allen für den besonderen Abend!
Sundra